Ärzte Zeitung, 13.04.2004

Subkutanes Interferon beta-1a bewährt sich auch langfristig

Daten von Multiple-Sklerose-Kranken, die seit acht Jahren das Interferon-Mittel bekommen / Neuer Autoinjektor vereinfacht die Applikation

MÜNCHEN (sto). Patienten mit Multipler Sklerose (MS) sollten möglichst früh und dauerhaft mit Interferon beta behandelt werden. Für das subkutan injizierte Interferon beta-1a (Rebif®) wird diese Forderung von MS-Experten durch die PRISMS-Studie gestützt, für die es jetzt auch Langzeitdaten über eine Zeit von bis zu acht Jahren gibt.

Das subkutane Interferon beta-Präparat werde auch langfristig gut vertragen, so Professor Peter Rieckmann von der Universitätsklinik Würzburg. Er hat die Langzeitdaten bei einer Veranstaltung des Unternehmens Serono in München vorgestellt.

Zur Erinnerung: In der PRISMS-Studie - PRISMS steht für "Prevention of Relapses and Disability by Interferon-beta 1a Subcutaneously in MS" - haben 560 Patienten mit schubförmiger MS zwei Jahre lang dreimal wöchentlich subkutane Injektionen von 22 oder 44 Mikrogramm Interferon-beta 1a oder Placebo bekommen. Danach wurden die Verum-Patienten unverändert weiter behandelt. Den Patienten mit Placebo wurde ab diesem Zeitpunkt ebenfalls das Interferon subkutan injiziert, und zwar dreimal wöchentlich 22 oder 44 Mikrogramm.

Die Daten nach zwei und vier Jahren ergaben unter anderem, daß 44 µg besser wirken als 22 µg. Nach vier Jahren hatten 19 Prozent der Patienten mit 44 µg-Injektionen noch keinen neuen MS-Schub bekommen, mit Placebo waren nur sieben Prozent ohne neuen Schub geblieben.

Die Zeit bis zur Verschlechterung der Behinderung um einen Punkt auf der EDS (Expanded Disability Status)-Skala in den vier Jahren sei mit der 44 µg-Dosierung im Vergleich zu Placebo um 1,5 Jahre verzögert worden, so Rieckmann. Bei früher Therapie sei es zudem deutlich seltener zur Krankheitsprogression gekommen.

Für die Langzeitstudie wurden nach sieben bis acht Jahren die Daten von 382 Patienten der PRISMS-Studie analysiert. Die retrospektive Auswertung habe dabei eine Schubrate von durchschnittlich 0,67 pro Jahr ergeben, so Rieckmann. Patienten, die von Anfang an dreimal wöchentlich 44 µg Interferon beta-1a subkutan erhielten, hatten jedoch signifikant weniger Schübe als Patienten, die zunächst zwei Jahre Placebo bekommen hatten.

Die durchschnittliche Zeit bis zur Verschlechterung des Behinderungsgrades um einen Punkt auf der EDS-Skala betrug 5,4 Jahre, bei Patienten mit der 44 µg-Interferon-Therapie jedoch 7,2 Jahre. Vorteile für die 44 µg-Dosierung im Vergleich zu Placebo ergaben sich weiterhin bei den MRT-Befunden.

Wichtig für den Therapieerfolg sei dabei die Compliance der Patienten, erinnerte Rieckmann. Deshalb sei es etwa nötig, die Patienten auch auf mögliche Schmerzen an der Injektionsstelle hinzuweisen. Vorteile haben hier die seit kurzem zur Verfügung stehenden Fertigspritzen mit dünneren und feiner geschliffenen Nadeln, so ein Sprecher des Unternehmens Serono.

Die Anwendung des neuen Autoinjektor Rebiject™ II, der nach Angaben des Unternehmens in wenigen Wochen zur Verfügung stehen wird, vereinfache zudem die Injektionen. Die Nadel bleibt dabei während der Injektion unsichtbar und die korrekte Injektionstechnik wird gefördert.

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