Ärzte Zeitung, 11.10.2004

Test gibt Hinweis für frühe MS-Therapie

Nachweis von Antikörpern gegen Myelin der Neuronen

DÜSSELDORF (nsi). Mit einem Test auf Anti-Myelin-Antikörper lassen sich bei Patienten, die an Multipler Sklerose (MS) erkrankt sind, jene herausfinden, bei denen sich die Erkrankung sehr wahrscheinlich in kurzer Zeit klinisch manifestieren wird. Diese Patienten sollten schnell eine Intervalltherapie erhalten.

Etwa 100  000 Menschen in Deutschland haben Multiple Sklerose. Die Prävalenz der MS liegt bei 120 auf 100 000 Einwohner. Die meisten Patienten haben nur ein einzelnes Symptom, zum Beispiel eine Optikus-Neuritis, wenn erstmals der Verdacht auf MS besteht.

Etwa die Hälfte aller MS-Kranken haben einen MS-Subtyp, bei dem Antikörper gegen das Myelin-Basic-Protein (MBP) oder das Myelin-Oligodendrozyten-Glykoprotein (MOG) für die Zerstörung der Myelinscheiden und damit für die Axonschäden von Bedeutung sind.

Die übrigen drei Subtypen beruhen auf Oligodendrozyten-Defekten oder sind Makrophagen-vermittelt. Das hat Dr. Robert Egg von der Universitätsklinik für Neurologie in Innsbruck bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Neurologie in Düsseldorf gesagt.

Das Team in Innsbruck untersuchte 103 Patienten mit isolierten Symptomen einer MS und positivem Befund im MRT sowie in Laboruntersuchungen des Liquors. Die Patienten wurden bis zu fünf Jahre alle drei Monate klinisch untersucht. Serologisch teilten die Forscher die Patienten in drei Gruppen ein. Ein Teil hatte beide Typen von Antikörpern, ein anderer nur einen von beiden und die dritte Gruppe keine Anti-Myelin-Antikörper.

Die Studienteilnehmer mit Anti-MOG- und Anti-MBP-Antikörpern hatten ein im Vergleich zu seronegativen Patienten 76fach erhöhtes Risiko, innerhalb der nächsten Monate - im Durchschnitt nach 7,5 Monaten - eine klinisch gesicherte MS zu entwickeln. Das Risiko betrug 95 Prozent. In der Gruppe, die Anti-MOG-positiv und Anti-MBP-negativ war, lag das Risiko immerhin bei 83 Prozent und damit um das 32fache höher als bei den seronegativen Patienten.

Die durchschnittliche Zeit bis zur eindeutigen klinischen Manifestation habe bei den Anti-MOG-positiven Patienten 15 Monate betragen, so Egg bei einer von den Unternehmen Teva und Aventis unterstützten Veranstaltung.

Patienten mit Anti-Myelin-Antikörpern sollten möglichst rasch behandelt werden, etwa mit Glatirameracetat (Copaxone®) oder Beta-Interferonen, sagte Egg. Nach den vorläufigen Ergebnissen von Studien senke Glatirameracetat die Konzentration der Anti-MOG-Antikörper deutlich.

Den Antikörper-Test an Blut bieten die Innsbrucker zum Selbstkostenpreis an (etwa 65 Euro pro Patient). Es sei keine kommerzielle Anwendung geplant, so Egg zur "Ärzte Zeitung".

Weitere Informationen über E-Mail: berger.thomas@uibk.ac.at

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Personal-Notstand auf deutschen Intensivstationen

Auf deutschen Intensivstationen fehlen mehr als 3000 Spezialpflegekräfte. Die Krankenhäuser wollen reagieren. Das Personal denkt über einen Großstreik nach. mehr »

HIV-Impfung generiert Immunantwort

Eine Impfung gegen HIV ist in frühen klinischen Studien. Erste Ergebnisse sind positiv. mehr »

Warum die Putzhilfe glücklich macht

Putzen, Wäsche waschen, Kochen: Viele Menschen empfinden all das als nervige Pflichten. Wer Geld hat, kann andere für sich arbeiten lassen - und fühlt sich dann zufriedener. Das haben Forscher herausgefunden. mehr »