Ärzte Zeitung, 09.11.2004

KOMMENTAR

Einen einfachen Weg wird es nicht geben

Von Peter Leiner

Es klingt wie ein ganz einfaches künftiges Therapie-Konzept für Patienten mit Multipler Sklerose: Weil das Schilddrüsen-Hormon Thyroxin die Entstehung von Zellen im Gehirn anregt, die die schützende Isolierschicht der Nervenfortsätze - das Myelin - synthetisieren, brauchen die Patienten nur ausreichende Mengen des Hormons früh genug einzunehmen, und schon werden die durch den Verlust des Myelins ausgelösten Symptome gelindert.

So vielversprechend die aktuellen Ergebnisse im weithin akzeptierten Tiermodell dieser Krankheit auch sein mögen, dürfen sie nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Entstehung der neurodegenerativen Erkrankung viel komplexer ist.

Voraussetzung dafür, daß verlorengegangenes Myelin wieder gebildet wird, ist zudem das optimale Zusammenspiel der Oligodendrozyten mit anderen Zellen wie den Astrozyten sowie mit den Nervenfortsätzen selbst, mit Entzündungszellen und den Hirnstrukturen zwischen den Zellen.

Wenn Thyroxin eines Tages bei Multipler Sklerose tatsächlich von Bedeutung sein sollte, dann kann es nur im Konzert mit anderen Therapie-Optionen wie der Immunmodulation sein. Einen einfacheren Weg wird es wohl nicht geben.

Lesen Sie dazu auch:
Hormon sorgt für neues Myelin im MS-Tiermodell

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