Ärzte Zeitung, 14.07.2005

Eine frühe MS-Therapie bremst den Axon-Verlust

Studienergebnisse zu Glatirameracetat vorgestellt

WIEN (grue). Werden Patienten mit Multipler Sklerose (MS) früh mit dem Immunmodulator Glatirameracetat behandelt, bleiben sie länger mobil und haben weniger irreversible Schäden im Nervengewebe. Das geht aus den Ergebnissen zweier Studien mit MS-Patienten hervor. Die Krankheitsverläufe wurden dabei mit kernspintomographischen Untersuchungen dokumentiert.

Die Ergebnisse der Studien sind jetzt beim Europäischen Neurologen-Kongreß in Wien vorgestellt worden. Professor Omar Khan aus Detroit hat bei insgesamt 22 Patienten mit schubförmig verlaufender MS regelmäßig Aufnahmen mit konventioneller MRT und mit MR-Spektroskopie angefertigt. 18 Patienten wurden von Beginn an und durchgehend mit täglich 20 mg Glatirameracetat (Copaxone®) behandelt, zwei Patienten entschieden sich erst im dritten Jahr für die Therapie, und zwei Patienten blieben unbehandelt.

Wie Khan jetzt in Wien berichtet hat, konnte bei den am längsten therapierten Patienten der Axonverlust signifikant gebremst werden, erkennbar an der Abnahme der Umwandlung frischer Läsionen zu "permanenten Black Holes". Bei unbehandelten Patienten nahm der Axonverlust dagegen kontinuierlich zu.

Patienten mit spätem Einstieg in die Therapie profitierten ebenfalls, aber nicht so stark wie die Langzeit-Anwender. "Die Ergebnisse molekularbiologischer Analysen lassen vermuten, daß sich das Nervengewebe der behandelten Patienten teilweise erholt hat", sagte Khan. "Das spricht für einen neuroprotektiven Effekt, der um so größer zu sein scheint, je früher behandelt wird".

Ein ähnlicher Schluß wird aus Ergebnissen einer zweite Studie gezogen. Professor Marco Rovaris aus San Raffaele hat sie vorgestellt. Er bat Patienten, die an einer Studie mit Glatirameracetat teilgenommen hatten, nach im Mittel sechs Jahren zur neurologischen Nachuntersuchung.

Die Hälfte der Patienten nahm immer noch das Prüfmedikament ein, die anderen bekamen keine oder andere Arzneimittel. Am wenigsten behindert waren Patienten, die in der früheren Studie über den gesamten Zeitraum von mindestens 18 Monaten mit Glatirameracetat behandelt worden waren. Ihr Behinderungsgrad war signifikant niedriger als der von MS-Patienten, die erst nach Abschluß einer Placebo-Phase mit einer Verzögerung von neun Monaten auf das Prüfmedikament eingestellt worden waren.

Topics
Schlagworte
Multiple Sklerose (708)
Krankheiten
Multiple Sklerose (1100)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Werden europäische Männer immer unfruchtbarer?

Männern haben immer weniger Spermien. Direkte Rückschlüsse auf Fruchtbarkeit erlaubt das nicht – es könnte aber nur die Spitze eines Eisbergs gesundheitlicher Probleme sein. mehr »

Psychotherapie soll künftig Unifach werden

Ein einheitliches Berufsbild, Studium an der Uni. Die Psychotherapeutenausbildung steht vor umwälzenden Veränderungen. Kritiker vermissen beim Entwurf aber Konkretes zum Thema Weiterbildung. mehr »

Ist die menschliche Entwicklung am Ende?

Über Hunderttausende von Jahren ist der Mensch zu dem geworden, was er heute ist. Und nun? Ein Grimme-Preisträger fragt sich, ob Unsterblichkeit erstrebenswert ist und wohin uns die Evolution führen wird - oder kann der Mensch sie austricksen? mehr »