Ärzte Zeitung, 29.05.2007

Monatliche Infusion bewährt sich bei MS

Jährliche Schubrate sinkt mit Natalizumab um 68 Prozent

FRANKFURT AM MAIN (djb). Für Patienten mit Multipler Sklerose, bei denen die Erkrankung rasch fortschreitet oder die trotz Interferon-beta-Therapie eine hoch aktive Krankheit haben, steht Natalizumab zur Verfügung. Besonders Patienten, die auf eine hochfrequente Injektionstherapie eingestellt waren, beurteilen den Wechsel auf die intravenösen Infusionen alle vier Wochen meist als sehr positiv.

In der Zulasssungsstudie war mit Natalizumab (Tysabri®) bei guter Verträglichkeit die jährliche Rate an MS-Schüben um 68 Prozent geringer als mit Placbo. Auch wurde das Fortschreiten der Behinderung gebremst und die entzündliche Aktivität vermindert. Daran hat Professor Judith Haas aus Berlin erinnert.

Eine Umstellung auf die Antikörpertherapie sei bei zuvor mit Interferon-beta oder mit Glatirameracetat behandelten Patienten unmittelbar möglich. Nach einer Vortherapie mit Mitoxantron, Cyclophosphamid oder Azathioprin müsse dagegen ein ausreichender zeitlicher Abstand eingehalten werden, so Haas bei einer von Biogen Idec unterstützten Veranstaltung in Frankfurt am Main. Eine kurzfristige Kortikoidgabe zur Therapie im Schub sei bei der Antikörpertherapie uneingeschränkt möglich.

Während der Infusion und eine Stunde danach müssen die Patienten wegen möglicher Überempfindlichkeitsreaktionen überwacht werden. Symptome wie Kopfschmerzen oder Übelkeit durch die Infusion seien durch eine verminderte Infusionsgeschwindigkeit gut zu beherrschen, so Haas.

Zudem sollten die Patienten regelmäßig neurologisch untersucht werden, und zwar auf kognitive und psychiatrische Symptome. Besteht der Verdacht, dass die Ursache der neurologischen Symptome nicht mit der Multiplen Sklerose in Verbindung steht, sollte die Therapie mit Natalizumab zunächst unterbrochen und die Ursache der Symptome geklärt werden.

STICHWORT

Multiple Sklerose

Von der Erkrankung Multiple Sklerose (MS) sind Frauen etwas häufiger betroffen als Männer. Die meisten Erkrankungen treten im Alter zwischen 20 und 40 Jahren auf, jenseits des Alters von 55 bis 60 Jahren gibt es keine Neuerkrankungen mehr. In Mitteleuropa liegt die MS-Inzidenz bei 3 bis 7 pro 100 000 Einwohnern, in Australien bei etwa 10 und in Südafrika bei 1 bis 4. Jeder der etwa 120 000 MS-Kranken in Deutschland verursacht pro Jahr im Durchschnitt 33 000 Euro Kosten, davon einen großen Teil durch Arbeitsunfähigkeit. (nsi)

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