Direkt zum Inhaltsbereich

INTERVIEW

"Prädilektionsstelle liegt im Trigeminusbereich"

Hypästhesien am Kinn sind zwar eine seltene Erstmanifestation bei Multipler Sklerose. Prinzipiell sollte bei trigeminalen Sensibilitätsstörungen aber auch an eine MS gedacht werden, so Professor Achim Gass von der Neurologischen Klinik am Universitätsspital Basel.

Veröffentlicht:

Bei einem KIS ist eine frühe Therapie mit Beta-Interferonen möglich." Professor Achim Gass von der Neurologischen Klinik des Universitätsspitals Basel.

Ärzte Zeitung: Woran würden Sie zuerst denken bei einem Patienten mit Taubheitsgefühl im Gesicht?

Professor Achim Gass: Bei ansonsten gesunden, jungen Patienten mit einer realistischen Schilderung einer trigeminalen Sensibilitätsstörung ist eine Multiple Sklerose als Differenzialdiagnose unmittelbar in Betracht zu ziehen. Entzündlich demyelinisierende Läsionen haben eine Prädilektionsstelle im Bereich der faszikulären, in den Hirnstamm eintretenden Fasern des N. trigeminus. Läsionen in diesem Bereich finden sich auch bei der Trigeminusneuralgie, die bei MS-Patienten ebenfalls häufig vorkommt.

Ärzte Zeitung: Kommen bei beginnender MS gehäuft lokal begrenzte Sensibilitätsstörungen im Gesicht oder anderswo vor?

Gass: Bei der Erstmanifestation einer MS, die auch mit der Diagnosekategorie Klinisch Isoliertes Syndrom (KIS) bezeichnet wird, sind Sensibilitätsstörungen relativ häufig. Zentrale Sensibilitätsstörungen können im Hirnstamm, Rückenmark, Mittelhirn oder den Hemisphären verursacht sein und werden vom Patienten meist früh wahrgenommen. Andere häufige KIS sind die Neuritis nervi optici oder Hirnstamm- oder Rückenmarkssyndrome. Gleichzeitig finden sich oft asymptomatische hemisphärische Läsionen in der MRT, die Indizien einer klinisch stummen Erkrankungsaktivität sind.

Ärzte Zeitung: Warum wurde bei der 34-jährigen Frau eine Interferon-Therapie begonnen, obwohl die MS-Diagnose formal noch nicht gesichert war?

Gass: Bei einem KIS ist eine frühe Therapie mit Beta-Interferonen möglich. Das ist sinnvoll, um permanenten Schäden so gut wie möglich vorzubeugen. Dabei ist es wichtig, Informationen zur Aktivität der Erkrankung klinisch und mithilfe der MRT zu gewinnen, um das Risiko einer Läsionszunahme und von bleibenden klinischen Verschlechterungen einschätzen zu können. (ner)

Lesen Sie dazu auch: Kinn kurzfristig taub - MS war Ursache

Ihr Newsletter zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Was die MS-Behandlung auszeichnet

© Suphansa Subruayying | iStock

Lebensqualität

Was die MS-Behandlung auszeichnet

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

© AscentXmedia | iStock

Lebensqualität

Unsichtbare MS-Symptome im Fokus

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Empagliflozin reduzierte auch bei niedriger Ausgangs-eGFR die Progression der chronischen Nierenkrankheit (Test für Heterogenität/Trend: a) 12=0,06, p=0.81; b) 12=6,31, p=0,012)

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [6]

Chronische Nierenkrankheit

SGLT2-Inhibition: Nephroprotektiv auch bei stark erniedrigter eGFR

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Boehringer Ingelheim Pharma GmbH & Ko KG, Ingelheim am Rhein
Abb. 2: Sekundärer Endpunkt der BOREAS-Studie: Veränderung der Lungenfunktion unter Dupilumab versus Placebo

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [2]

Typ-2-Inflammation bei COPD

Bessere Lungenfunktion und mehr Lebensqualität durch IL-4/-13-Hemmung

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Sanofi-Aventis Deutschland GmbH, Berlin, und Regeneron GmbH, München
Abb. 1: AIO-KRK-0424/ass-Registerstudie: Leitlinienadhärenz

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [5]

BRAFV600E-mutiertes mCRC nach systemischer Vortherapie

Registerstudie weist auf Defizite in der Umsetzung der Leitlinienempfehlungen hin

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Pierre Fabre Pharma GmbH, Freiburg
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Exklusiv Bundesgesundheitsministerin im Interview

Nina Warken über Reformdruck: „So wie bisher kann es doch nicht weitergehen“

Lesetipps
Blick in ein Blutgefäß

© Superrider / Stock.adobe.com

Hypercholesterinämie

Lipidsenker klug kombinieren