Direkt zum Inhaltsbereich

Vitamin-D-Therapie senkt Schubrate bei MS

TORONTO (mut). Erstmals konnte in einer kleinen Studie gezeigt werden: Vitamin D kann offenbar die Schubrate bei MS senken und die Progression der MS-Behinderungen bremsen. Allerdings war die Zahl der Patienten zu klein für ein signifikantes Ergebnis.

Veröffentlicht:
Offenbar ist für den Verlauf einer Multiplen Sklerose auch der Vitamin-D-Spiegel von Bedeutung.

Offenbar ist für den Verlauf einer Multiplen Sklerose auch der Vitamin-D-Spiegel von Bedeutung.

© photos.com PLUS

Hinweise auf eine Schutzwirkung von Vitamin D gibt es aus epidemiologischen Studien zuhauf: So tritt MS in Ländern mit hoher Sonneneinstrahlung deutlich seltener auf als in gemäßigten oder polaren Breiten, auch sind Serum-Werte von Vitamin-D-Metaboliten bei MS-Patienten oft deutlich niedriger als bei Gesunden, und schließlich treten MS-Schübe bei niedrigen Vitamin-D-Spiegeln häufiger auf als bei hohen.

Kanadische Forscher haben nun in einer ersten kleinen Studie das getan, was nahe liegt: MS-Patienten mit hohen Vitamin-D-Mengen versorgt und die Auswirkungen auf die Krankheit beobachtet. Dabei war die Schubrate nach einem Jahr um 41 Prozent reduziert und der Behinderungsgrad, gemessen mit der Skala EDSS, war leicht zurückgegangen (Neurology 2010; 74:1852).

Ziel der offenen Phase-I/II-Studie mit 49 Patienten war jedoch nicht die klinische Wirksamkeit, sondern zunächst die Prüfung der Sicherheit. Befürchtet wurden bei hohen Vitamin-D-Dosen Verschiebungen der Kalzium-Serumspiegel sowie Nierensteine. Dies war jedoch nicht der Fall.

In der Studie erhielt etwa die Hälfte der Patienten zusätzlich zur bisherigen MS-Therapie kontinuierlich steigende Vitamin-D3-Mengen, im Schnitt waren es 14 000  IE pro Tag, sowie 1200 mg Kalzium. Die anderen Patienten bekamen keine Vitamintherapie und durften von sich aus nicht mehr als 4000 IE Vitamin D aufnehmen. Zum Vergleich: Zur Frakturprophylaxe werden etwa 400 bis 800 IE Vitamin D3 pro Tag empfohlen.

Die Serumkonzentration des Metaboliten 25-Hydroxy-Vitamin-D erreichte im Schnitt etwa das Doppelte des physiologischen Wertes. Dagegen blieb die Kalzium-Konzentration konstant. Bis auf eine leichte Kalzium-bedingte Obstipation gab es in der Therapiegruppe nicht vermehrt unerwünschte Wirkungen.

Klinisch interessant ist die Senkung der jährlichen Schubrate von 0,44 auf 0,26 in der Vitamin-D-Gruppe, in der Kontrollgruppe sank sie von 0,54 auf 0,45. Der Unterschied war in der Therapiegruppe mit minus 41 versus minus 17 Prozent zwar größer, aufgrund der kleinen Patientenzahl jedoch nicht signifikant. Auch der Anteil von Patienten mit erneuten Schüben war in der Vitamin-D-Gruppe geringer (16 versus 37 Prozent), und auf der 10 Punkte umfassenden EDSS-Skala sank der Wert in der Vitamin-D-Gruppe um 0,23, in der Kontrollgruppe nahm er um 0,37 Punkte zu. Auch diese Werte verfehlten das Signifikanzniveau. Signifikant war jedoch die Reduktion autoreaktiver T-Zellen in der Therapiegruppe.

Fazit: Eine Vitamin-D-Therapie scheint auch in hohen Dosierungen sicher zu sein, zur Prüfung der klinischen Wirksamkeit bedarf es jedoch noch größerer Studien.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar: Mehr Sonne, seltener MS?

Ihr Newsletter zum Thema
Mehr zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

© libre de droit | iStock

Update MS

Update Multiple Sklerose: Aktuelle Erkenntnisse und Entwicklungen

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

© Yozayo | iStock

Intrathekale Entzündung

Einfluss der MS-Therapie auf Immunzellen im Liquor

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Ein erreichbares Ziel bei MS?

© Merck KGaA

Therapiefreie Remission

Ein erreichbares Ziel bei MS?

Anzeige | Merck Healthcare Germany GmbH
Jugendliche die schon früh, ohne Eltern in die Sprechstunde kommen, werden selbstständiger.

© Racle Fotodesign / stock.adobe.com

Typ-1-Diabetes bei Kindern und Jugendlichen

Wie gelingt der Übergang vom Pädiater in die Erwachsenenmedizin?

Frauen erhalten eine andere und meist schlechtere Behandlung als Männer. Sie sind häufiger vom Medical Gaslighting betroffen, insbesondere in der Kardiologie.

© NPS Studio / stock.adobe.com

Hormone, Schwangerschaft, Wechseljahre

Warum ein Diabetes Frauen anders trifft als Männer

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Impfstoffeffektivität gegen Post COVID-Beschwerden

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [14]

Jährliche COVID-19-Impfung

Empfohlen für ein breites Risikokollektiv

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: BioNTech Europe GmbH, Mainz

Opioid-induzierte Obstipation

Paradigmenwechsel in der Behandlung: Vom Stuhl zum Nervensystem

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Grünenthal GmbH, Aachen
Abb. 1: Die kardiorenalmetabolische Organachse: ganzheitliche Versorgung durch interdisziplinäre Zusammenarbeit (Quelle: Michalopoulou E et al., J Clin Med 2025, 14:428)

© Springer Medizin Verlag

Biomarker gegen Diabetes-Folgen

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Roche Diagnostics Deutschland GmbH, Mannheim
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Interview zum Urologie-Kongress

Wie wird KI die Urologie verändern, DGU-Präsidentin Krege?

Lesetipps
Eine Glühbirne

© Sergey Nivens / stock.adobe.com

Überblick

Zu unserer Themenseite Praxiswissen

Ältere Frau bei einer Psychiotherapie

© Herbie / Fotolia

Multimodale Therapie

Dystonien: Welche alternativen Therapieansätze gibt es?

Smartphones mit Gemini und Chat-GBT

© Lorenzo Di Cola | NurPhoto / picture alliance

Künstliche Intelligenz

Warum die KI eine Hausärztin fälschlicherweise für tot erklärte