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MRT-Diagnose

Der Läsionsort zeigt die MS-Gefahr

Bei der Diagnostik von Multipler Sklerose zählt der Blick auf die betroffenen Fasern. Denn die Läsionsorte nach einem ersten Schub liefern wertvolle Hinweise zum MS-Risiko.

Veröffentlicht:
MRT-Aufnahme des Gehirns bei einem Patienten mit Multipler Sklerose. Die Herde sind umrandet.

MRT-Aufnahme des Gehirns bei einem Patienten mit Multipler Sklerose. Die Herde sind umrandet.

© Arteria Photography

SIENA. Inzwischen wird bereits bei Patienten nach einem ersten MS-Schub eine immunmodulierende Therapie empfohlen, zumindest wenn der Verlauf des Schubs auf eine ungünstige Prognose deutet.

Eine lange Dauer und eine schlechte Rückbildung der Symptome, ein polysymptomatischer Beginn, frühe motorische und zerebelläre Beschwerden sowie im MRT sichtbare multiple Läsionen sind Indikatoren dafür, dass mit weiteren Schüben in naher Zukunft zu rechnen ist.

Forscher um Dr. Antonio Giorgio aus Siena in Italien haben nun untersucht, ob auch die Läsionsorte im Gehirn für die Prognose relevant sind.

Dazu haben sie ein Jahr lang das Schicksal von 1165 Patienten mit einem klinisch isolierten Syndrom (CIS) untersucht, also Patienten, bei denen nach einem ersten Schub der Verdacht auf eine MS bestand (Neurology 2013; 80(3): 234).

Von diesen entwickelten 26 Prozent innerhalb von zwölf Monaten eine klinisch manifeste MS. Wie erwartetet, zeigten Patienten, die innerhalb eines Jahres an MS erkrankten, bei der ersten MRT-Untersuchung zu Beginn der Studie eine deutlich höherer Läsionslast als solche, die von weiteren Schüben verschont blieben.

Größere Unterschiede gab es dabei etwa bei Patienten mit einem Läsionsbeginn im Hirnstamm und Kleinhirn: Bei den Patienten aus dieser Gruppe, die in eine klinische MS konvertierten, war das Läsionsvolumen zu Beginn im Schnitt mehr als doppelt so hoch wie bei denjenigen ohne spätere MS-Manifestation (8,7 versus 4,1 cm3).

Dagegen schien die Läsionslast im Rückenmark oder im Bereich des Nervus opticus nur wenig prognostische Relevanz zu haben - sie war sowohl bei späteren MS-Patienten als auch solchen ohne klinische MS ähnlich hoch.

Als kritische Bereiche machten die Neurologen aus Siena auch die Corona radiata mit ihren sensorischen und motorischen Bahnen aus sowie das obere Längsbündel (Fasciculus longitudinalis superior), das intrahemisphärische Assoziationsbahnen enthält.

Ferner deuten nach diesen Befunden auch Läsionen im Bereich kommissuraler Fasern des Hirnbalkens auf eine schlechte Prognose.

Fast man die Ergebnisse mit denen anderer Studien zusammen, dann scheinen Läsionen in Hirnarealen relevant zu sein, die von sensorischen und vor allem motorischen Fasern durchzogen werden, berichten Giorgio und Mitarbeiter.

Der Läsionsort könnte demnach als weiterer Risikofaktor herangezogen werden, wenn es darum geht, über den Beginn einer immunmodulierenden Therapie zu entscheiden. (mut)

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