Ärzte Zeitung, 12.01.2004

Engagement für Schizophrene gewürdigt

Lilly Schizophrenia Awards für vier Projekte vergeben

BERLIN (nsi). Aufgrund von Vorurteilen haben Menschen mit Schizophrenie auch dann schlechtere Chancen im Berufsleben als psychisch gesunde, wenn die Symptome durch eine Therapie gut beherrscht werden. Vier Projekte, die geeignet sind, Vorurteile über schizophrene Menschen auszuräumen oder Umfeld und Versorgung der Patienten zu verbessern, sind in Berlin mit den Lilly Schizophrenia Awards ausgezeichnet worden.

Für den Bereich "Kognition" wurde die Arbeitsgruppe um Dr. Wolfgang Wölwer von der Psychiatrischen Klinik der Universität Düsseldorf ausgezeichnet. Das Team hat ein Programm entwickelt, in dem Schizophrene lernen sollen, Gesichtsausdrücke von Mitmenschen richtig zu deuten.

Die verminderte Fähigkeit, Gefühle anderer an der Mimik zu erkennen, ist ein Grund dafür, warum Menschen mit Schizophrenie oft soziale Defizite haben. Beim "Training für Affektdekodierung" (TAD) erlangen die Patienten diese Fähigkeit wieder, worauf eine erste Auswertung bei 16 Teilnehmern hindeutet.

Hilfe und Orientierung für psychisch erkrankte Studierende bietet das Projekt "HopeS", das die Diplom-Psychologin Anja Rieth von der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf konzipiert hat: In Zusammenarbeit mit der Hochschule bahnen die Projektmitarbeiter Betroffenen den Weg zu einer beruflichen Qualifikation. In den vergangenen zwei Jahren gelang von 131 Studierenden, die ihre Ausbildung wegen der Krankheit unterbrechen mußten und sich an "HopeS" gewandt hatten, jedem zweiten ein erfolgreicher Wiedereinstieg.

In der Kategorie "Klinische Medizin" hat die Jury sich für die Arbeitsgruppe um Professor Christoph Hiemke von der Psychiatrischen Klinik der Universität Mainz entschieden. Ziel des Projektes war es, genaue und kurzfristige Serum-Spiegelmessungen für atypische Antipsychotika zu entwickeln. Hiemke und seine Mitarbeiter haben einen Service etabliert, der eine quantitative Analytik der Serumspiegel von Antipsychotika innerhalb von 24 Stunden erlaubt. Mit dieser Information können Ärzte die Dosis besser anpassen und unerwünschte Wirkungen und Compliance-Probleme schneller erkennen.

Der Fernsehbeitrag "Schizophrenie - die unverstandene Krankheit" trug dazu bei, die Öffentlichkeit über Schizophrenie zu informieren. Er wurde in der Reihe "Die Sprechstunde" ausgestrahlt. Autor ist Friedrich Karl Grund, die Auszeichnung nahm der Journalist Gerd-Heiko Steinert aus dem Team entgegen. Die Preise waren mit 3000 Euro dotiert.

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