Ärzte Zeitung, 24.07.2006

Schizophrenie-Patienten profitieren von Depot-Atypikum

Dopaminerges System wird nur zum Teil blockiert / Therapie mit langwirksamer Substanz ist nicht nur bei fehlender Krankheitseinsicht sinnvoll

JUIST (urm). Eine Therapie mit Risperidon in Depotform ist nicht nur eine Option bei Patienten mit schlechter Compliance. In einer Studie profitierten auch jene Schizophrenie-Patienten von einer Umstellung auf das Präparat, die mit ihrer bisherigen Therapie nicht zufrieden waren.

Noch immer seien viele Ärzte der Meinung, ein intramuskulär verabreichtes Depot-Neuroleptikum sei vor allem eine Option für wenig therapiebereite Patienten, bei denen ein antipsychotischer Schutz über Tabletten nicht zu erreichen ist, hat der Münchener Psychiater Dr. Stephan Heres berichtet. Tatsächlich aber ist eine fehlende Krankheitseinsicht nur eines von vielen Argumenten für eine Depotbehandlung, so Heres auf einer Veranstaltung des Unternehmens Janssen-Cilag auf Juist.

   Risperidon in Depotform mindert Apathie und Antriebslosigkeit.
   

So wirke etwa eine Therapie mit Risperidon in Depotform (Risperdal® Consta®) auch gut gegen Negativsymptome wie Apathie und Antriebslosigkeit. Gleichzeitig gewähre die Depotformulierung konstante Wirkspiegel. Die gute Wirksamkeit des Präparates wurde etwa in der Studie StoRMi (Switch to Risperidone Microspheres) bestätigt.

In der Studie, die Privatdozent Carsten Spitzer aus Stralsund vorgestellt hat, wurden knapp 1900 Schizophrenie-Patienten nach unterschiedlichen Vortherapien auf langwirksames Risperidon umgestellt. Häufigste Gründe für die Umstellung waren Non-Compliance (38 Prozent), mangelnde Wirksamkeit (33 Prozent) oder mangelnde Verträglichkeit (26 Prozent) der Vormedikation. Sechs Monate nach der Umstellung waren die Symptome bei den Patienten deutlich zurückgegangen, und extrapyramidal-motorische Störungen waren reduziert.

Anders als konventionelle Neuroleptika entfalten Atypika wie Risperidon ihre antipsychotische Wirkung nur zum Teil über eine Blockade der dopaminergen Neurotransmission, hat der Wiesbadener Psychiater Professor Dieter Braus erklärt. Für die Patienten sei es von Nachteil, wenn das dopaminerge System auf medikamentösem Weg komplett ausgehebelt werde, vor allem, weil dadurch auch das dopaminerge Belohnungssystem gedämpft werde. Dieses System sei zum Beispiel notwendig, um Freude zu empfinden.

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