Ärzte Zeitung, 04.10.2006

Depot-Präparat punktet bei Schizophrenie

Risperidon in Depotform mit Vorteilen bei Wirksamkeit und Verträglichkeit / Alternative zur oralen Medikation

HAMBURG (agr). Um Schizophrenie-Patienten vor Krankheitsrückfällen zu schützen, ist meist eine dauerhafte antipsychotische Therapie erforderlich. Risperidon in Depotform ist dabei oft nicht nur wirksamer und verträglicher als ältere Depot-Präparate, es wird von Patienten auch gut akzeptiert.

Professor Hans-Peter Volz: Trotz der günstigen Daten haben viele Ärzte, die Schizophrenie-Kranke behandeln, Vorbehalte gegen Depotpräparate. Foto: agr

Daten dazu hat jetzt Professor Hans-Peter Volz aus Werneck auf einer Veranstaltung des Unternehmens Janssen-Cilag in Hamburg vorgestellt. So brachte in einer Studie bei 121 Schizophrenie-Patienten die Umstellung von konventionellem Flupentixol-Depot auf langwirksames Risperidon (Risperdal® Consta®) nicht nur Vorteile bei der Wirksamkeit, sondern auch bei der Verträglichkeit: Innerhalb von sechs Monaten nach Umstellung sank der Wert auf der Positive and Negative Syndrome Skala (PANSS, maximal 210 Punkte bei schwerster Psychose) statistisch signifikant von 65,5 auf 56,0 Punkte. Gleichzeitig sank auch der Wert auf einer Skala für extrapyramidale Symptome (ESRS) von 7,5 auf 3,3 Punkte.

Trotz der günstigen Datenlage bestünden bei vielen Ärzten Vorbehalte gegen Depotpräparate, sagte Volz. Häufig seien Ärzte der Ansicht, ein Depotpräparat habe per se mehr unerwünschte Wirkungen und schränke die Selbstbestimmung ein.

Nach Ansicht von Volz bedeutet die Depotformulierung jedoch größere Unabhängigkeit, da keine tägliche Tabletteneinnahme notwendig ist. Tatsächlich scheint die Depotformulierung mit Risperidon für viele Patienten eine gute Alternative zur oralen Medikation zu sein. Das geht aus den Ergebnissen der Favoured Medication-I-Studie (FAME) hervor, an der 300 Patienten mit schizophrenen Psychosen teilgenommen haben.

Infos zu Schizophrenie unter www.kompetenznetz-schizophrenie.de

STICHWORT

FAME-Studie

Die FAME-Studie (Favoured Medication-I-Studie) ist eine prospektive Studie mit Patienten mit schizophrenen Psychosen. Ein Viertel der kurz vor der Entlassung aus der Klinik befragten Patienten wünschte sich in der Langzeittherapie ausdrücklich ein Depotpräparat. Bei jenen, die zu diesem Zeitpunkt bereits eine Depotformulierung erhielten, waren sogar 55 Prozent von dieser Applikation überzeugt.

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