Ärzte Zeitung, 16.03.2007

Kollege plädiert für frühe Depot-Therapie bei Schizophrenie

Mangelnde Compliance ist Problem bei oraler Therapie / Fast jeder zweite Schizophrenie-Kranke würde ein Depot-Präparat akzeptieren

ESSEN (kas). Mit Depot-Neuroleptika kommen Rückfälle bei Schizophrenie-Kranken seltener vor als mit einer oralen Therapie. Dennoch erhält nur jeder fünfte Patient solche Medikamente. Umfragen zufolge würden jedoch 40 Prozent ein Depot-Präparat akzeptieren, wenn man es ihnen vorschlägt.

Allerdings wird diese Therapieform zwei Drittel der Patienten überhaupt nicht angeboten, hat Dr. Stephan Heres aus München berichtet. Eines der Hauptprobleme bei der Schizophrenie-Therapie: Viele Kranke brechen die Behandlung vorzeitig ab, sagte Heres auf einer Veranstaltung von Janssen-Cilag in Berlin. Die Folgen seien nicht nur Rezidive, sondern auch zunehmende Residualsymptome und Therapieresistenz, ergänzte Professor Georg Juckel von der Uni Bochum.

In einer Studie wurden 278 Psychiater in Deutschland befragt, welche Faktoren bei der Entscheidung für eine Depot-Therapie bedeutsam sind. Dabei zeigte sich, dass schlechte Compliance oder Rückfälle in der Vorgeschichte sowie Fremd- oder Selbstgefährdung den Ausschlag für eine Depot-Therapie gaben.

Da es bei nahezu allen Patienten Probleme mit der Therapietreue gebe, sei es unverständlich, dass Depotpräparate nur jedem Dritten angeboten würden, sagte Heres. Aber auch gut aufgeklärte, kooperative und krankheitseinsichtige Patienten gelten als potenzielle Kandidaten für eine Depot-Therapie.

Auf die Frage "Wann würden Sie eine Depot-Therapie vorschlagen?" antworteten signifikant mehr Ärzte "nach dem vierten Rückfall" als "nach dem ersten Rückfall". Das sei schwer nachvollziehbar. "Man muss nicht den vierten Rückfall abwarten, bis man ein Depotpräparat anbietet", sagte Heres. Möglicherweise schätzten Ärzte die Compliance bei oralen Antipsychotika zu optimistisch ein. So vermuteten die befragten Psychiater nur bei 40 Prozent der eigenen Patienten eine mangelhafte Compliance. Allgemein gingen sie jedoch von 60 Prozent aus.

Die Umstellung auf ein Depot-Neuroleptikum lohnt sich selbst bei Patienten, die bereits mit oralen Atypika behandelt werden. Das ergab eine Analyse bei 382 jungen Patienten. Sechs Monate nach Umstellung auf das bislang einzige atypische Depot-Neuroleptikum Risperdal (Consta®) mit dem Wirkstoff Risperidon seien die Symptome signifikant zurückgegangen. Außerdem habe sich die Lebensqualität verbessert.

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