Ärzte Zeitung, 20.07.2007

Neuroleptikum mit neuer Galenik zugelassen

Paliperidon ER gibt Wirkstoff über 24 Stunden frei / Ausgeglichene Plasmaspiegel werden erzielt

KÖLN (hbr). Zur Therapie von Patienten mit Schizophrenie wurde jetzt das atypische Neuroleptikum Paliperidon ER (Invega®) eingeführt. Das Präparat mindert bei einmal täglicher Einnahme Psychose-Symptome und verhindert Spitzen bei der Wirkstoffkonzentration.

Die Wirksamkeit bei akuter Schizophrenie wurde in drei Studien mit knapp 1700 erwachsenen Patienten anhand der Skala PANSS (Positive and Negative Syndrom Scale, maximal 210 Punkte) geprüft. PANSS dient zur Einschätzung von Schizophrenie-Symptomen. Der Wirkstoff verringerte den Wert um 15 bis 20 Punkte. Mit Placebo waren es dagegen nur etwa 5 Punkte. Darauf hat Professor Andreas Heinz von der Charité Berlin hingewiesen.

Die Patienten hatten sechs Wochen täglich 3 mg, 6 mg, 9 mg, 12 mg Paliperidon oder Placebo erhalten und wurden anschließend ein Jahr lang mit variablen Dosierungen weiterbehandelt. Die Abnahme der Psychose-Symptome war in allen Verum-Gruppen ähnlich stark, so Heinz bei einer Veranstaltung von Janssen-Cilag in Köln: Im Vergleich zur Placebo-Gruppe war der Effekt jeweils signifikant. Unterschiede fielen schon nach vier Tagen auf. Die Wirkung der 3-mg-Dosis war am niedrigsten, unterschied sich aber statistisch nicht von den übrigen Dosierungen. Die empfohlene Tagesdosis beträgt 1 x 6 mg, sie muss nicht auftitriert werden.

Sowohl Positivsymptome wie Halluzinationen und Gedanken-Eingebungen wurden verringert als auch Negativsymptome. Letztere belasten die Patienten besonders stark, etwa durch Verlust der Motivation oder sozialen Rückzug, wenn sie sich verfolgt fühlen. Zudem wurden Ängste und Depressionen reduziert.

Paliperidon ER verfügt über eine osmotisch kontrollierte Wirkstoff-Freigabe über 24 Stunden. Der Vorteil: Deutliche Konzentrationsspitzen werden vermieden. So führt eine einmal tägliche Einahme zu einem ausgeglichenen Plasmaspiegel. Davon profitieren auch junge Patienten - sie reagieren auf die Medikamente oft mit unerwünschten Wirkungen, was zum Teil mit den Plasma-Spitzenwerten in Verbindung gebracht wird.

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