Ärzte Zeitung, 24.01.2008

Atypikum mindert Symptome bei Schizophrenie rasch

Aktuelle Datenanalyse zu retardiertem Paliperidon  / Psychosoziale Funktion gebessert

BERLIN (aw). Atypische Neuroleptika zählen zu den Standardtherapeutika bei Schizophrenie. Mit Paliperidon ER (extended release) steht seit kurzem ein Abkömmling des bewährten Antipsychotikums Risperidon zur Verfügung. Das Besondere: Bereits innerhalb weniger Tage kommt es zu einer nachhaltigen Reduktion der Schizophrenie-Symptome.

 Atypikum mindert Symptome bei Schizophrenie rasch

Bei einem an Schizophrenie erkrankten Menschen gerät die Wirklichkeit des Betroffenen ins Wanken und kann seine Identität zerstören.

Foto: Peter Endig/ddp

Das haben etwa die gepoolten Daten von drei randomisierten Doppelblindstudien mit sechswöchiger Laufzeit belegt. Die Daten hat Professor Hans-Jürgen Möller aus München bei einer Veranstaltung des Unternehmens Janssen-Cilag in Berlin vorgestellt. In Dosierungen von 3 bis 12 mg täglich reduzierte Paliperidon ER (Invega®) den PANSS-Wert (Positive and Negative Symptom Scale, maximal 210 Punkte) um 15 bis 20 Punkte.

"Aus klinischer Sicht ist bemerkenswert, dass sich bereits am vierten Behandlungstag eine signifikante Überlegenheit im Vergleich mit Placebo zeigte", sagte Möller. Nach Studiendaten kann das neue Atypikum verglichen mit Placebo zudem das Rezidivrisiko signifikant verringern. "Mit Paliperidon betrug die Zeit bis zum ersten Rückfall 68 Tage, im Placeboarm kam es hingegen schon nach 23 Tagen zum ersten Rezidiv", sagte Möller.

Auch bereits behandelte Patienten können von einer Umstellung auf Paliperidon ER profitieren. Dies legen die Daten zweier Subgruppenanalysen von drei placebokontrollierten Studien nahe. In der ersten Analyse wurden die Daten von 153 Patienten ausgewertet, die bereits mit Olanzapin behandelt worden waren, in die zweite Analyse gingen die Daten von 198 Patienten ein, die zuvor mit dem Atypikum Risperidon therapiert worden waren.

Wie sich zeigte, verlief der Wechsel auf das neue Medikament problemlos. Paliperidon konnte die Schizophrenie-Symptome weiter reduzieren und wurde darüber hinaus gut vertragen. In beiden Studien zeigte sich eine klinisch relevante Reduktion des PANSS-Wertes. Klinisch auch bedeutsam: Das neue, atypische Neuroleptikum verbesserte auch das psychosoziale Funktion im Vergleich zu Placebo signifikant.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »