Ärzte Zeitung, 09.12.2008

Glutamat an der Entstehung von Psychosen beteiligt

BERLIN (eb). Mit modernen Antipsychotika, die vorwiegend auf das dopaminerge System wirken, kann bislang nicht jedem Schizophrenie-Patienten geholfen werden. Ein möglicher Grund sind Störungen bei der Glutamat-Neurotransmission, die offenbar ebenfalls an der Schizophrenie-Pathogenese beteiligt sind.

Darauf gebe es inzwischen immer mehr Hinweise, so Professor Walter Müller vom Pharmakologischen Institut der Universität Frankfurt am Main. So könnten Antagonisten an einer Unterklasse von Glutamat-Rezeptoren (vom Typ NMDA) Schizophrenie-ähnliche Psychosen auslösen. Zudem werde eine Überaktivität von L-Glutamat in bestimmten Hirnstrukturen bei Schizophreniekranken beobachtet, sagte Müller auf dem Psychiatrie-Kongress in Berlin.

Erste Untersuchungen mit Substanzen, die partiell das glutamaterge System hemmen, deuteten auf eine antipsychotische Wirkung. Allerdings ist L-Glutamat der wichtigste erregende Neurotransmitter im Gehirn - etwa ein Drittel der synaptischen Kontakte nutzt L-Glutamat. Es dürfe daher im ZNS nicht global blockiert werden.

Derzeit werde an Substanzen geforscht, die spezifisch nur bestimmte Teile des glutamatergen Systems betreffen und etwa am NMDA-Rezeptor ansetzen. Müller hofft, dass es in Zukunft gelingt, durch eine Kombitherapie mit spezifischen antidopaminergen und antiglutamatergen Substanzen die Schizophrenie-Therapie deutlich zu verbessern. (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »

Frühe ART wirkt protektiv

Die frühe antiretrovirale Therapie (ART) schützt HIV-Patienten vor schweren bakteriellen Infektionen. mehr »