Ärzte Zeitung, 24.11.2010

Radfahren lindert Schizophrenie-Symptome

Sport gibt Schizophrenie-Patienten nicht nur mehr Antrieb, sondern vergrößert auch den Hippocampus.

Radfahren lindert Schizophrenie-Symptome

Könnte der Tipp zum Fahrrad-Ausflug womöglich bald zur Empfehlung bei Schizophrenie gehören?

© Lars Johansson / fotolia.com

BERLIN (gvg). Körperliche Bewegung reduziert bei Patienten mit Schizophrenie Negativsymptome wie Gefühlsarmut, Antriebslosigkeit und Desinteresse. Sie hat auch einen messbaren Einfluss auf die Hirnstruktur.

"Wir wissen heute, dass das Gehirn auch bei Patienten mit psychischen Erkrankungen eine hohe Plastizität besitzt", hat Professor Peter Falkai von der Uni Göttingen berichtet.

Sport sei eine Möglichkeit, die Plastizität des Gehirns zu fördern. Der designierte Präsident des Psychiatrieverbands DGPPN plädierte bei der Eröffnung des diesjährigen DGPPN-Kongresses in Berlin deswegen für eine konsequente Integration von Bewegungsprogrammen in die Therapie.

Falkai hat diese Empfehlung selbst mit Daten untermauert. In einer kontrollierten Studie hat er Patienten mit langjähriger Schizophrenie entweder dreimal die Woche Radfahren oder aber Tischfußball spielen lassen.

Ergebnis: Das Volumen des bei vielen Schizophreniepatienten atrophischen Hippocampus legte in der Radfahrergruppe in drei Monaten um zwölf Prozent zu, während sich beim Tischfußball nichts tat.

"Schizophrene Patienten mit ausgeprägter Negativsymptomatik dazu zu bringen, Sport zu machen, ist natürlich nicht einfach", so Falkai. Sport sei deswegen auch nur Teil eines Gesamtkonzepts. "Wir müssen uns aber darum bemühen. Viele Patienten bedanken sich später, dass wir sie zu körperlicher Bewegung fast gezwungen haben."

Lesen Sie dazu auch:
Größte Psychiatrietagung Europas in Berlin gestartet

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Top-Meldungen

Vielversprechende Fortschritte in der Diagnostik

Morbus Alzheimer lässt sich immer zuverlässiger diagnostizieren und von anderen Krankheiten abgrenzen. Seit Kurzem gewährt die Tau-PET präzisere Einblicke in den Krankheitsverlauf – und verbessert damit die Diagnostik. mehr »

"Wir verstehen den Unmut der Ärzte"

Verärgerung bei Ärzten und KVen: Die Deutsche Telekom kündigt Praxen die Routerverträge - zum 21. Oktober! Doch wie bekommen Ärzte dann ihren sicheren Zugang zum KV-Safenet? mehr »

Die Selbstvermessung des eigenen Ichs

Der Markt an Gesundheits-Apps wächst und wächst - derzeit gibt es 379.000 Anwendungen fürs Smartphone oder Tablet. Die Selbstvermessung kennt keine Grenzen. Was sind die Folgen des Optimierungswahns? mehr »