Ärzte Zeitung, 12.01.2004

Schlafprobleme verursachen Milliardenschäden

KÖLN (ner). Sollten die Deutschen ein kurzes Mittagsschläfchen in den Arbeitstag einbauen? Wenn es nach Professor Göran Hajak aus Regensburg ginge, ja! Denn Schlafprobleme sind in Deutschland weit verbreitet, und das bedingt bedeutsame gesundheitliche und nicht zuletzt ökonomische Konsequenzen.

Menschen mit Schlafstörungen haben fünfmal häufiger als die Normalbevölkerung schwere Unfälle in Haushalt, Beruf oder Verkehr, hieß es beim 28. Interdisziplinären Forum der Bundesärztekammer in Köln. Ein Viertel aller Verkehrsunfälle etwa in Bayern passieren, weil die Fahrer am Steuer eingeschlafen sind.

Hochgerechnet auf bundesdeutsche Verhältnisse verursache das Kosten in Milliardenhöhe, erklärte Hajak mit Verweis auf entsprechende Berechnungen. Außerdem führen dauerhafte Schlafstörungen zu Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen, und sie können so kardiovaskuläre Erkrankungen verursachen.

Sieben bis neun Stunden Schlaf täglich brauche der Mensch im Durchschnitt, so der Psychiater. Allerdings werde Schlaf zunehmend als notwendiges Übel angesehen. So schlafen die Deutschen durchschnittlich nur etwas über sieben Stunden. Vier bis sechs Prozent der Bundesbürger haben schwere Ein- und Durchschlafstörungen.

Ein Nickerchen im Tagesverlauf, vorzugsweise mittags, könnte eine Lösung für Schlafprobleme sein. Es sei ermittelt worden, daß Menschen, die tagsüber in kurzen Pausen schlafen können, vergleichsweise leistungsfähiger und erfolgreicher im Beruf seien, so Hajak. Der Kurzschlaf sollte aber nicht länger als 20 Minuten dauern. Außerdem empfiehlt Hajak, sich mindestens einmal pro Woche richtig auszuschlafen.

Gestörter Nachtschlaf hat dann Krankheitswert, wenn er mit verminderter Leistungsfähigkeit am Tage, Erschöpfung und permanenter Tagesmüdigkeit verbunden ist. Am weitesten verbreitet ist das Schlaf-Apnoe-Syndrom, an dem 2,5 Millionen Bundesbürger leiden, vorwiegend Männer. Hinzu kommen die Schichtarbeiter, von denen nach Hajaks Angaben 95 Prozent Schlafstörungen beim Schichtwechsel haben, die zum Großteil auch nach Ende der Schichtarbeit bestehen bleiben.

Für Patienten, die über Schlafstörungen klagen, empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Schlafmedizin und Schlafstörungen (DGSM) einen Diagnose-Algorithmus, mit dem der Primärarzt zunächst Befindlichkeits- oder Verhaltensstörungen von echten Schlafstörungen unterscheiden kann. So sollte nach Angaben von Professor Jürgen Fischer aus Norderney zunächst nach Leistungsminderung und Tagesschläfrigkeit gefragt werden. Wird dies bestätigt, wird ermittelt, ob eine adäquate Schlafhygiene eingehalten wird.

Dazu gehören Fragen nach Aufsteh- und Zubettgehzeiten, Raumklima, ausgedehntem Tagesschlaf, nach Koffein- und Nikotingenuß, stark eiweißhaltigen Mahlzeiten vor dem Schlafengehen oder körperliche Aktivität. Ist der Patient angepaßt an den zirkadianen Rhythmus (Schichtarbeiter, Jetlag)? Werden schlafstörende Substanzen eingenommen (Alkohol, Medikamente)? Liegt ein Symptom einer organischen oder psychischen Erkrankung vor wie Asthma, Morbus Parkinson oder Depression?

Ist all das ausgeschlossen, empfiehlt sich die Überweisung an ein Schlaflabor zur weiteren Diagnostik. In einer Studie mit 4500 Personen mit Schlafstörungen hatten 80 Prozent eine Schlafapnoe, fünf Prozent periodische Beinbewegungen, die den Schlafablauf stören und fünf Prozent eine Insomnie, so Fischer.

Weiter Informationen im Internet unter der Adresse www.dgsm.de

FAZIT

Wer gut schläft, lebt gesünder und ist leistungsfähiger als Menschen mit unzureichendem Schlaf. Übermäßige Tagesschläfrigkeit ist eine ernste Gesundheitsstörung und geht mit erhöhtem Unfall- und kardiovaskulären Erkrankungsrisiko einher. Hausärzte sollten Befindlichkeits- oder Verhaltensstörungen von echten Schlafstörungen abgrenzen und Patienten mit ausgeprägten Störungen an ein Schlaflabor überweisen. (ner)

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