Ärzte Zeitung, 13.05.2004

Apnoe-Patienten sind oft weder dick noch männlich

Bei etwa drei Vierteln der Betroffenen, die von einer Therapie profitieren würden, wird die Diagnose nicht gestellt

MADISON (run). Typisch für Patienten mit einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) sind Kennzeichen wie Übergewicht, männliches Geschlecht, Schnarchen und ein mittleres Alter. Wer jedoch nur bei diesem Stereotyp aufmerksam wird, übersieht leicht andere Betroffene - vor allem Frauen mit OSA.

Bei Frauen nach der Menopause nimmt das Risiko für eine obstruktive Schlafapnoe deutlich zu - unabhängig vom Körpergewicht. Foto: Schlafschule Sibyllenbad

Populationsstudien aus den vergangenen Jahren verdeutlichen die Häufigkeit der Schlafapnoe: So hat einer von fünf Erwachsenen eine milde Schlafapnoe, jeder 15. hat sogar eine mittlere bis stark ausgeprägte, wie US-amerikanische Forscher der University of Wisconsin berichten (JAMA 16, 2004, 2013).

Nach ihren Angaben werden allerdings 75 bis 80 Prozent der Patienten, die von einer Therapie profitieren würden, in den USA nicht erkannt - darunter doppelt soviel Frauen wie Männer. Eine auch für Deutschland realistische Zahl, wie der Schlafforscher Professor Jürgen Zulley aus Regensburg bestätigt.

Daß eine OSA bei Frauen leicht übersehen wird, liegt unter anderem daran, daß bis zur Menopause offensichtlich die weiblichen Hormone protektiv wirken. So ist in einer US-Studie bei Frauen nach der Menopause das Risiko für eine moderate bis schwere OSA um das Dreifache erhöht gewesen - und zwar unabhängig von Gewicht und Alter.

In der Praxis sollte zudem das Augenmerk verstärkt auf Diabetiker - und nicht nur übergewichtige - sowie Patienten mit therapieresistentem Bluthochdruck gerichtet werden, so Zulley, da Studien einen deutlichen Zusammenhang mit einer OSA und diesen Erkrankungen belegten. So hätten in einer Studie 60 Prozent der Schlaganfallpatienten - die meisten mit Hypertonie, dem wesentlichen Apoplexie-Risikofaktor, - eine nicht diagnostizierte OSA gehabt.

Zulleys Rat: Wann immer Patienten - vor allem Diabetiker, Hypertoniker und Frauen nach der Menopause - über eine extreme Tagesmüdigkeit klagen, sollten sie - und wenn möglich auch die Bettpartner - gezielt nach nächtlichen Atemaussetzern und lautem, abgehacktem Schnarchen gefragt werden und bei Verdacht auf eine OSA zu einem ambulanten Apnoe-Screening überwiesen werden, wie es von spezialisierten Lungenfachärzten angeboten werde. Dabei werden etwa Atemströmung, Herzfrequenz, Sauerstoff im Blut und Körperlage im Schlaf erfaßt.

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