Ärzte Zeitung, 20.01.2006

Atemtherapie mindert Risiko für Verkehrsunfall

Bei Patienten, die ein Schlafapnoe-Syndrom haben, wird die Tagesschläfrigkeit reduziert

BOCHUM (ikr). Schnarcher mit einem obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) haben aufgrund von Tagesschläfrigkeit ein zwei- bis siebenfach erhöhtes Risiko, einen Verkehrsunfall zu verursachen. Erhalten die Betroffenen eine CPAP-Beatmung (Continuous Positive Airway Pressure), läßt sich das Unfall-Risiko verringern. Bereits nach zwei Wochen einer solchen Therapie ist das Unfall-Risiko deutlich reduziert, wie eine Studie jetzt ergeben hat.

Autofahrer mit obstruktiver Schlafapnoe: Aufgrund der hohen Tagesschläfrigkeit schläft er am Steuer ein. Unfälle können die Folge sein. Fotos (3): sth

Schon aus früheren Studien ist bekannt, daß eine CPAP-Therapie bei OSAS-Patienten die Fahrtüchtigkeit steigert. Nicht eindeutig geklärt ist bislang jedoch, wie rasch dieser Effekt eintritt.

Nach den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin ist "Fahrsicherheit bei Patienten mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom und deutlicher Tagesschläfrigkeit frühestens nach sechs Wochen CPAP-Therapie anzunehmen". Neue Studiendaten deuten jetzt darauf hin, daß sich OSAS-Patienten nach Therapiebeginn möglicherweise rascher wieder ans Steuer setzen können.

    Schwierige Fahrsituationen wurden simuliert.
   

In der Studie wurden bei 36 OSAS-Patienten eine Fahrsimulatorprüfung mit vielen schwierigen Fahrsituationen (etwa monotone Autobahnfahrten, Fahrten bei starkem Schneefall) und ein Vigilanztest gemacht (DMW 130, 2005, 2555). Die Patienten wurden im Simulator einen Tag vor sowie 2, 14 und 42 Tage nach Beginn der CPAP-Therapie jeweils 60 Minuten getestet.

Ergebnis: Vor der Therapie betrug die Unfallrate im Mittel 1 Unfall pro Stunde und nach 14 Tagen Therapie 0,8. "Das ist nach unserer Auffassung eine deutliche Reduktion der Unfallrate", sagte Privatdozentin Maritta Orth von den Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannsheil in Bochum, die an der Studie mitgearbeitet hat, zur "Ärzte Zeitung". Nach 42 Tagen gab es im Mittel noch 0,4 Unfälle.

Bei den Vigilanztests ergaben sich keine wesentlichen Veränderungen. "Offenbar spiegeln solche Untersuchungen nicht genau die Situationen wider, in denen die Patienten beim Steuern eines Fahrzeugs einschlafen", so Orth. Aufgrund der günstigen Studiendaten werde jetzt bei einer größeren Patientengruppe geprüft, ob OSAS-Patienten mit CPAP-Therapie bereits nach 14 Tagen fahrtüchtig sind.

Wie stark eine solche Therapie die Fahrtüchtigkeit bessert, belegt eine weitere Studie der Teams um Orth. 31 OSAS-Patienten erhielten sechs Wochen lang CPAP (Eur Respir J 26, 2005, 1). Vor der Therapie verursachten die Patienten bei Fahrsimulator-Tests im Mittel 2,7 Unfälle pro Stunde, nach sechs Wochen Therapie 0,9 Unfälle.

Infos zu Schlafapnoe und Fahrsimulatortest unter Tel.: 0243 /3 0268 00.

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