Ärzte Zeitung, 03.11.2006

Jeder dritte Mensch über 60 Jahre hat Schlafstörungen

Chloralhydrat reduziert die Wachzeit und führt zur Verdoppelung von REM- und Tiefschlafphasen / Keine Erhöhung des Sturzrisikos

REGENSBURG (sto). Etwa 30 Prozent der über 60jährigen haben eine beeinträchtigte Schlafqualität oder chronische Schlafstörungen. Für diese Patienten kann Chloralhydrat eine Therapieoption sein.

Das Medikament eignet sich besonders für alte Patienten, da es im Gegensatz zu Benzodiazepinen das Sturzrisiko nicht erhöht. Schlafstörungen bei älteren Menschen sind oftmals verbunden mit Immobilisation, Depression, Multimorbidität und Isolation, sagte Professor Jörg Schulz von der Geriatrischen Klinik in Berlin-Buch.

Die Abwägung, ob eine medikamentöse Therapie bei alten Menschen mit Schlafstörungen wirklich in Betracht kommt, sollte besonders kritisch erfolgen. Das hat Schulz bei einem Symposium von Pohl-Boskamp beim Schlafmedizin-Kongreß in Regensburg gesagt.

Zunächst sollte versucht werden, die Bedingungen zu ändern, die zu den Schlafstörungen führen. Als Beispiel nannte Schulz, etwa die Temperatur im Schlafzimmer zu senken. Berücksichtigt werden müsse auch, daß Schlafmittel von alten Menschen anders verstoffwechselt werden. Die Verordnung von Benzodiazepinen sollte daher äußerst vorsichtig erfolgen, so Schulz. Die Substanz könne bei alten Patienten Verwirrtheit fördern, und der muskelrelaxierende Effekt sei ein Risikofaktor für Stürze.

Inzwischen wird Chloralhydrat (etwa Chloraldurat®) nach Angaben von Schulz wieder häufiger für alte Menschen bei fast allen Schlafstörungen verwendet. Die Substanz reduziere die Wachzeit und führe zu einer Verdoppelung der REM- und Tiefschlafphasen. Dadurch verbesserten sich auch die Tagesbefindlichkeit und die Leistungsfähigkeit. Zudem gebe es für Chloralhydrat langjährige Anwendungserfahrung, so Schulz.

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