Ärzte Zeitung, 13.02.2008

Fluglärm erhöht Blutdruck von Schlafenden deutlich

Studie mit 5000 Anwohnern großer Flughäfen Europas

LONDON/OXFORD (dpa). Fluglärm wirkt offenbar selbst im Schlaf ungünstig auf die Gesundheit. Bereits der Lärm eines einzigen Flugzeugs kann bei Schlafenden vorübergehend messbar den Blutdruck erhöhen. Die jetzt publizierten Studiendaten gehören zu einem großen europäischen Projekt. Über erste Ergebnisse hat die "Ärzte Zeitung" vor kurzem bereits berichtet.

 Fluglärm erhöht Blutdruck von Schlafenden deutlich

Je lauter der Fluglärm, desto höher steigt der Blutdruck.

Foto: dpa

Bei der Untersuchung haben nun europäische Forscher nachts den Blutdruck von 140 Menschen in der Nähe von vier großen europäischen Flughäfen gemessen. Dabei ermittelten sie, dass der Blutdruck von einer Lautstärke von 35 Dezibel (dB) an deutlich gestiegen ist. Diese Lautstärke entspricht dem Überflug von Flugzeugen, Verkehrslärm vor dem Haus - oder einem schnarchenden Partner, das berichten jetzt britische Wissenschaftler des Imperial College in London.

Nach solchem Lärm stieg nach den Messungen der Wissenschaftler der systolische Blutdruck im Durchschnitt um 6,2 mmHg und der diastolische Blutdruck um 7,4 mmHg. Dabei erhöhte sich der Blutdruck umso mehr, je lauter der Lärm war. Entscheidend sei dabei allein die Lautstärke und nicht die Quelle des Lärms gewesen, berichtet das Team um Lars Jarup in der aktuellen Ausgabe des "European Heart Journal". Die Forscher hatten den Lärm im Schlafzimmer und alle 15 Minuten den Blutdruck der Probanden gemessen.

Einer weiteren Untersuchung zufolge haben Menschen, die Nachtfluglärm ausgesetzt sind, insgesamt häufiger Bluthochdruck, als Menschen in ruhigen Wohngebieten. Bereits ein Anstieg des nächtlichen Fluglärmpegels um 10 dB im Schallpegelbereich von 30 bis 60 dB erhöhe das Risiko für Bluthochdruck bei Frauen und Männern um rund 14 Prozent, hatte das Umweltbundesamt in Dessau-Roßlau im Januar mitgeteilt. Eine Zunahme um 10 dB bedeutet eine zehnfache Schallintensität und entspricht in etwa einer Verdoppelung des wahrgenommenen Lärms. Diese Daten wurden in der Zeitschrift "Environmental Health Perspectives" veröffentlicht.

Beide Studien sind Teil des von der EU geförderten Projektes Bluthochdruck und nächtlicher Fluglärm (HYENA) mit insgesamt 5000 Einwohnern in der Nähe von sechs europäischen Flughäfen, darunter auch Berlin-Tegel.

Weitere Informationen zur Fluglärmstudie finden sie im Internet: www.umweltbundesamt.de und www.hyena.eu.com

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