Ärzte Zeitung, 07.03.2012

Wenn der Sandmann nicht kommen will

Schlafstörungen im Babyalter sind bei einem Fünftel der Kinder ein längerfristiges Problem. Das Problem: Obwohl oft einfache Ursachen dahinter stecken, erkennen viele Eltern die kausalen Zusammenhänge nicht.

Von Elke Oberhofer

Wenn der Sandmann nicht kommen will

Jedes zehnte Kind hat Schlafstörungen - für Eltern häufig eine zermürbende Situation.

© Melastmohican/fotolia.com

NEU-ISENBURG. Amerikanische Forscher befragten über 300 Mütter nach den Schlafgewohnheiten ihrer Sprösslinge und fanden: Jedes zehnte Kind hatte Schlafstörungen, bei jedem fünften hielten diese bis zum dritten Lebensjahr an.

Dabei brachten viele Eltern mögliche kausale Faktoren wie das Nickerchen am Tag oder das Schnarchen ihres Kindes nicht mit der Schlafstörung in Zusammenhang.

Wenn ihr Kind schlecht schläft, kann das für Eltern zermürbend sein; der Zusammenhang mit partnerschaftlichen Problemen und Stresssymptomen vor allem bei den Müttern wurde mehrfach belegt.

US-amerikanische Pädiater vom Cincinnati Children's Hospital Center in Maryland haben nur teilweise gute Nachrichten für müde Väter und Mütter: Etwa jedes fünfte Kind, das im Alter von sechs Monaten Probleme wie Ein- und Durchschlafstörungen hatte, behielt diese bis zum dritten Lebensjahr bei.

Der Rest scheint bis dahin zu lernen, wie man durchschläft. Umgekehrt entwickelten nur sechs Prozent der Babys, die gut schlummerten, später Schlafstörungen.

Kelly C. Byars und Kollegen hatten 359 Mütter in die Studie eingeschlossen und diese 6, 12, 24 und 36 Monate nach der Geburt differenziert zum Schlafverhalten ihres Kindes befragt.

Sägen an mehreren Nächten

Insgesamt hatten zehn Prozent der Kinder starke Schlafprobleme - wenn man die Eltern fragte. Sie sahen sich in den ersten zwei Lebensjahren ihrer Kinder vor allem durch nächtliches Wachwerden und kurze Nachtschlafzeiten um ihre Ruhe gebracht, während sie im dritten Lebensjahr eher über Albträume und unruhige Schlafphasen berichteten. Ein Problem in allen Altersgruppen war offenbar das Einschlafen.

Überraschenderweise brachten die Eltern tagsüber gehaltene Nickerchen in den meisten Fällen nicht mit der gestörten Nachtruhe in Verbindung. Auch Schnarchen wurde nicht als problematisch empfunden, obwohl bis zu 20 Prozent der Kinder in Byars Untersuchung in mehreren Nächten pro Woche deutlich hörbar "sägten".

Die Autorin weist auf die Gefahr der obstruktiven Schlafapnoe hin, die in diesem Zusammenhang unterschätzt werde, und zwar auch von ärztlicher Seite: Nur 25 Prozent der US-amerikanischen Pädiater fragen einer früheren Studie zufolge in Routinekonsultationen, ob das Kind schnarcht.

Die Studie belegt, wie wichtig es für Ärzte ist, Schlafprobleme in der pädiatrischen Praxis anzusprechen. Dabei sollte man sich nicht auf die generelle Frage, ob das Kind Schlafstörungen hat, beschränken, sondern vor allem auch nach Symptomen fahnden, die auf eine gesundheitliche Störung hinweisen.

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