Ärzte Zeitung, 11.05.2012

Kaffee: Der Nachwuchs trinkt mit

Auch Schwangere und stillende Mütter möchten auf ihren täglichen Kaffee oft nicht verzichten. Ob darunter der Schlaf ihrer Kinder leidet, haben Wissenschaftler in einer großen Anbauregion des schwarzen Muntermachers untersucht.

Von Christine Starostzik

Raubt Koffeinkonsum Säuglingen den Schlaf?

Auch wenn er noch so gut schmeckt – mehr als zwei Tassen Kaffee pro Tag sollten Schwangere nicht trinken, rät die DGE.

© Hannes Eichinger/fotolia.com

PELOTAS. Wenn schwangere oder stillende Frauen Kaffee trinken, scheint dies den Schlaf ihrer Säuglinge nicht zu beeinträchtigen. Dies ergab eine brasilianische Studie, die die Nachtruhe drei Monate alter Kinder sowie den Koffeinkonsum ihrer Mütter unter die Lupe nahm (Pediatrics 2012, online 2. April).

In der Gruppe der 40 Mütter, die während der gesamten Schwangerschaft und auch in der Stillzeit mindestens 300 mg Koffein pro Tag (300 mg entsprechen etwa drei Tassen Kaffee) konsumiert hatten, war die Zahl der Säuglinge, die nachts mehrmals aufwachten, am höchsten (22,5 versus 13,5 Prozent bei normalem Konsum). Doch die Werte dieser relativ kleinen Stichprobe erreichten keine Signifikanz.

Alle im Jahr 2004 in der brasilianischen Stadt Petolas geborenen Kinder wurden in eine Kohortenstudie eingeschlossen. Zum Zeitpunkt der Entbindung sowie drei Monate später wurden die Mütter unter anderem zu ihrem Kaffee- und Matekonsum befragt. In einer Subgruppe mit 885 Säuglingen wurde das Schlafverhalten der vergangenen 15 Tage untersucht.

14 Prozent wurden öfter als dreimal pro Nacht geweckt

Nahezu alle Frauen hatten während der Schwangerschaft Kaffee getrunken. Zu den starken Kaffeetrinkerinnen (≥ 300 mg / Tag) zählten immerhin jede fünfte Schwangere sowie 14,3 Prozent der jungen Mütter nach der Entbindung. Dabei waren Raucherinnen und Frauen, die während Schwangerschaft und Stillzeit Alkohol tranken, häufiger auch starke Kaffeetrinkerinnen.

Die Babys hatten in den letzten 15 Tagen durchschnittlich 13,4 von 24 Stunden geschlafen. Über drei Viertel der Frauen wurde nachts mindestens einmal durch ihren Sprössling geweckt, 54,7 Prozent jede Nacht. Öfter als dreimal pro Nacht wurden 14,1 Prozent der Mütter aus dem Schlaf gerissen.

Koffein kann die Plazenta frei passieren

Koffein wird im Verdauungstrakt schnell resorbiert und kann die Plazenta frei passieren. So gleicht die Koffeinkonzentration im Blut des Fötus der der Schwangeren.

Warum selbst eine hohe Koffeinaufnahme während der Schwangerschaft sowie in der Stillzeit trotzdem keinen Einfluss auf den Schlaf der Kinder hatte, ist unklar. Möglicherweise, so die Autoren, entwickeln Kinder eine gewisse Toleranz gegenüber Koffein, wenn sie ihm bereits im Mutterleib regelmäßig ausgesetzt sind.

Bislang ist man sich auch nicht einig darüber, wie viel Koffein über die Muttermilch letztlich beim Kind ankommt. So ziehen die Autoren den Schluss, dass die in einigen Ländern, einschließlich Deutschland, empfohlene Höchstgrenze von 300 mg / Tag, zumindest im Hinblick auf das Schlafverhalten der Säuglinge, beibehalten werden kann.

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) rät schwangeren Frauen zu moderatem Kaffeegenuss. Auch wenn die Studienlage uneinheitlich ist, sollen schwangere Frauen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung zufolge wegen zahlreicher möglicher Schädigungen des ungeborenen Kindes und der Gefahr spontaner Fehlgeburten ihren Kaffeekonsum auf weniger als drei Tassen täglich reduzieren.

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