Ärzte Zeitung online, 12.07.2016

Schlafapnoe

Jeder Zweite hat Depressionen und Ängste

In der Betreuung von Schlafapnoe-Patienten lohnt es sich, wenn Ärzte nachfragen, ob sie sich ängstlich oder depressiv fühlen. Konsequente Überdruck-Beatmung kann dann Abhilfe schaffen.

Von Marco Mrusek

Jeder Zweite hat Depressionen und Ängste

CPAP kann Patienten mit Schlafapnoe helfen.

© Howard Sandler / fotolia.com

BERLIN. Depressionen und Angst-Störungen sind bei Patienten mit obstruktivem Schlafapnoe-Syndrom (OSAS) offenbar verbreiteter, als bisher angenommen. Erst in den letzten 15 Jahren hätten Studien ergeben, dass OSAS bei bis zu 50 Prozent der Betroffenen mit depressiven und ängstlichen Symptomen assoziiert ist.

Darauf machte Professor Dieter F. Braus von der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie Wiesbaden aus Anlass des 10. Praxis-Updates in Berlin aufmerksam.

OSAS mit Tagesmüdigkeit tritt bei etwa zwei bis fünf Prozent der erwachsenen Frauen und drei bis sieben Prozent erwachsener Männer auf. Oft ist es ja mit Hypertonie, Insulinresistenz, Typ 2 Diabetes und Adipositas assoziiert.

CPAP kann helfen

Was können nun Ärzte für Schlafapnoe-Patienten mit begleitenden Depressionen oder Ängsten tun? "Durch eine konsequente CPAP-Behandlung sowie das Basisprogramm für psychische Gesundheit sollten diese Symptome innerhalb von längstens vier Wochen signifikant besser werden", resümiert Braus. Persistierten diese Symptome trotz Verbesserung der respiratorischen Werte, sollte mit einer Therapie mit nicht-sedierenden Antidepressiva begonnen werden.

Braus verwies auf zwei britische Meta-Analysen. Deren Autoren haben unter anderem den Effekt der CPAP - CPAP steht für kontinuierliche positive Airway pressure-Therapie - auf depressiv-ängstliche Symptome ausgewertet (Sleep Med Rev 2016; 28: 55-68 und J Clin Sleep Med 2015; 11(2):165-175).

Ergebnis: Die CPAP sei für alle respiratorischen Variablen im Vergleich zu den Therapiealternativen der Esmarch-Prothese und einer "Placebo-PAP-Behandlung" überlegen, so Braus. Außerdem hätten sich dadurch auch - neben der Lebensqualität - die depressiven und Angstsymptome gebessert.

Überdruckbeatmung besonders hilfreich bei mittel- und schwerer Depression

Der günstige Effekt von CPAP sei besonders ausgeprägt bei mittelschwerer und schwerer Depression. Aufgrund der geringen Effektgröße seien in den Studien zum Effekt der CPAP auf psychische Störungen jedoch auch Erwartungs- und Placebo-Effekte wichtig, so Braus.

Worin könnte nun aber nach aktuellem Kenntnisstand der Zusammenhang zwischen OSAS und Depressionen und Angst-Störungen bestehen? Die Autoren der britischen Meta-Analyse zum Beispiel benennen unter anderem oxidativen Stress, Entzündungen und Ungleichgewichte der Neurotransmitter als Gründe. Die zugrunde liegende molekulare Dysregulation könnte sich in Form von psychischen Symptomen manifestieren.

Das nächste Praxis-Update findet am 5. und 6. Mai 2017 in Berlin und München statt. Außerdem gibt es vier weitere Termine. Infos unter http://praxis-update.com/

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