Ärzte Zeitung, 28.01.2004

Immer mehr Deutsche konsumieren Cannabis

Jahresstatistik der ambulanten Suchtkrankenhilfe: Zahl der Cannabis-Konsumenten nahm um 10,5 Prozent zu

HAMM (ras). Zwei Drittel aller Patienten, die im Jahr 2002 die ambulante Suchthilfe in Anspruch genommen haben, leiden an einer Alkoholabhängigkeit oder trinken übermäßig Alkohol. Das geht aus der Jahresstatistik der ambulanten Suchtkrankenhilfe hervor. Besorgniserregend ist die gestiegene Zahl der Cannabis-Konsumenten.

Für 9,5 Prozent aller Patienten in ambulanten Beratungsstellen war Cannabis im Jahr 2002 die Hauptdroge gewesen, eine Steigerung von 10,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2001. Die Jahresstatistik 2002 der ambulanten Suchtkrankenhilfe in Deutschland wurde kürzlich in der Zeitschrift "Sucht" (Sonderheft 1, 2003) von der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen veröffentlicht.

Die Ergebnisse basieren auf Daten von 161 553 Patienten aus 454 ambulanten Spezialeinrichtungen für Menschen mit substanzbezogenen Störungen in Deutschland. Nach diesen Zahlen leiden 67 Prozent der Patienten an einer Alkoholabhängigkeit. Bei 14 Prozent der Betroffenen ist eine opiatbezogene und bei 9,5 Prozent eine cannabisbezogene Abhängigkeit festgestellt worden. Dabei wird derzeit Cannabis zumeist als Hauptsubstanz konsumiert und tritt nicht mehr so sehr - wie in früheren Jahren - als Begleitsubstanz zu Heroin oder Kokain auf.

Generell findet Cannabis nicht nur in Deutschland erhöhten Zuspruch, sondern auch in Europa und dem außereuropäischen Ausland. Auch die Zahl der polizeilich erfaßten Delikte, die im Zusammenhang mit Cannabis stehen, sind in den Jahren 2001 und 2002 (jeweils rund 94 000 Delikte) im Vergleich zu den Vorjahren drastisch angestiegen.

Und noch eine Trendwende stellen die Autoren Karin Welsch und Dilek Sonntag bei der Deutschen Suchtkrankenhilfestatistik 2002 fest: Die öffentliche Diskussion über Cannabis werde zur Zeit stärker von seinem möglichen therapeutischen Nutzen als von den Risiken bestimmt.

Dies liege vor allem daran, daß Cannabis Anfang September 2003 in den Niederlanden unter besonderen Umständen als Medikament zugelassen worden ist. Diese Entwicklung, so die Schlußfolgerung der Autoren, wird offenbar in der Öffentlichkeit "fälschlicherweise als Schritt zur Liberalisierung des alltäglichen Gebrauchs mißverstanden".

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