Ärzte Zeitung, 04.03.2004

Suchtstoff-Kontrollrat: Cannabis ist die illegale Droge Nummer eins

Immer mehr Westeuropäer bauen Hanf an, um ihren Drogenbedarf zu decken

BERLIN (dpa). Cannabis bleibt in Deutschland illegale Droge Nummer eins. Nach Angaben des Suchtstoff-Kontrollrats der UNO bauen immer mehr Westeuropäer illegal Hanfpflanzen an, um ihren Drogen-Bedarf zu decken.

Eine Jugendliche zieht an einem Joint. Der Cannabis-Konsum in Deutschland nimmt weiter zu. Foto: dpa

Darüber hinaus nähmen die nach Europa geschmuggelten Kokainmengen zu, teilte der Kontrollrat gestern in seinem Jahresbericht mit. Auch der bisher rückläufige Heroin-Konsum könne durch Rekordernten in Afghanistan wieder steigen. Ein weiteres Problem sei der illegale Handel mit Betäubungsmitteln im Internet.

Insbesondere der steigende Cannabis-Konsum in Westeuropa macht den UN-Kontrolleuren Sorgen. "Jugendliche halten diese Droge für harmlos und legal. Das ist ein Irrtum", sagte UN-Sekretär Herbert Schaepe in Berlin. Die Konzentration des Rauschmittels Tetrahydrocannabinol (THC) liege heute bei 25 Prozent, zu Hippie-Zeiten seien es nur zwei Prozent gewesen.

Wenn es auch keine Drogentoten durch Cannabis-Konsum gebe, sei inzwischen ein Viertel der Drogentherapie-Plätze an abhängige Cannabis-Patienten vergeben, ergänzte Schaepe. Lehrer in Deutschland klagten bereits bei 13- bis 15jährigen Schülern über wachsenden Cannabis-Konsum. "Die Lustlosigkeit vieler Jugendlicher in der Schule kann ein direkter Einfluß dieser Droge sein", sagte Schaepe.

Der Kontrollrat kritisierte auch den wachsenden Handel mit Betäubungsmitteln im Internet und forderte staatliche Eingriffe. In US-Internet-Apotheken seien zu 90 Prozent Substanzen bestellt worden, die der internationalen Kontrolle unterlägen. Darunter waren in vielen Fällen Aufputschmittel.

Der Suchtstoff-Kontrollrat ist ein Gremium der Vereinten Nationen, das die Einhaltung der Drogengesetze überwacht. Dem UN-Abkommen sind inzwischen 168 Staaten beigetreten. Der etwa 90 Seiten umfassende Jahresbericht informiert unter anderem über weltweite Trends beim Drogenkonsum und hat 2004 den Schwerpunkt Drogenmißbrauch auf Gemeindeebene.

Den Jahresbericht finden Sie im Internet unter www.incb.org

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