Ärzte Zeitung, 29.09.2004

Rauchen in Amtsgebäuden bald strikt verboten?

In Restaurants will die Bundes-Drogenbeauftragte Marion Caspers-Merk raucherfreie Zonen durchsetzen

BERLIN (ddp). Nichtraucher in Deutschland dürfen bald tief durchatmen. Die Bundes-Drogenbeauftragte Marion Caspers-Merk (SPD) will in Restaurants raucherfreie Zonen durchsetzen, und im Bundestag soll bald ein Gesetz für ein Totalverbot in öffentlichen Amtsgebäuden vorgelegt werden. Und diesmal sieht es nicht nach einer erbitterten Fehde zwischen Gegnern und Befürwortern des blauen Dunstes aus.

Caspers-Merk betonte gerade in einem Zeitungsinterview, sie strebe mit der Gastronomie eine freiwillige Selbstverpflichtung an. Es gebe viele Klagen von Bürgern, die sich durch Zigarettenrauch in Gaststätten gestört fühlten. Andererseits müsse auf die schwierige wirtschaftliche Lage der Gaststätten Rücksicht genommen werden. Daher wolle die Bundesregierung dort kein gesetzliches Rauchverbot.

Beim Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DeHoGa) zeigt man sich aufgeschlossen, möchte aber um Zwangsvorschriften herumkommen: "Wir brauchen keine Nikotinpolitessen", so Verbandssprecher Marc Schnerr. Gefragt sei vielmehr "gegenseitige Rücksichtnahme". Schnerr versichert, daß sein Verband sich dafür einsetze, "daß mehr gastronomische Betriebe etwas für Nichtraucher tun".

Allerdings gebe es Grenzen: "In kleinen Eckkneipen kann man weder ein Rauchverbot durchsetzen noch rauchfreie Zonen einrichten", betonte Schnerr. Und überhaupt leide die Branche "seit dreieinhalb Jahren unter drastischen Umsatzrückgängen".

Eine zwingende Vorschrift für ein Rauchverbot soll dagegen in den Amtsstuben durchgesetzt werden. Der Petitionsausschuß des Bundestages hat gerade beschlossen, eine entsprechende Eingabe dem Bundesgesundheitsministerium und dem Bundesinnenministerium "als Material" zu überweisen und den Fraktionen des Deutschen Bundestages zur Kenntnis zu geben. Begründet wird die Eingabe mit der Beschwerde eines allergischen Asthmatikers.

"Auch Passivrauchen führe zu gesundheitlichen Schäden", heißt es in dem Beschluß. Ämter mit Publikumsverkehr müßten für alle Menschen zugänglich sein. "Die gesundheitliche Beeinträchtigung von Nichtrauchern dürfte in den meist engen Räumlichkeiten von Ämtern wesentlich größer sein als in Bahnhöfen oder Flughäfen", heißt es in dem Papier.

"Kein Problem", ist die Reaktion bei der Beamtenorganisation Beamtenbund und Tarifunion (dbb): "Wir bewerten diesen Vorstoß grundsätzlich positiv", sagte Pressereferentin Britta Müller. Man sei selbstverständlich an einer guten Gesundheit der Mitarbeiter und der Kunden interessiert. Dies lasse sich auch logistisch regeln. Mit anderen Worten: Raucherzonen in Behörden lassen sich arrangieren. Nur: "Es darf keine diskriminierenden Zustände wie in den USA geben", schränkt Müller ein.

Auch der Vorsitzende des Gesundheitsausschusses im Bundestag, Klaus Kirschner (SPD), hält die angestrebten Regelungen für notwendig. "Man muß daran denken, daß auch Kinder und Kleinkinder in Restaurants oder Ämter mitgenommen werden. Für sie ist der Zigarettenrauch noch schädlicher als für Erwachsene, weil ihre Abwehrkräfte schwächer sind." Bei den Gaststätten plädiert Kirschner dafür, es erst einmal mit freiwilligen Lösungen zu versuchen. Bei Ämtern müsse dagegen "die öffentliche Hand per Verordnung ein totales Rauchverbot durchsetzen".

Erfreut zeigt sich über die Entwicklung auch die Deutsche Hauptstelle gegen die Suchtgefahren. Vize-Geschäftsführer Raphael Gaßmann: "Rauchverbote schaden niemandem und nutzen allen."

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So schädlich fürs Herz wie Cholesterin

Depressionen steigern bei Männern das Risiko fürs Herz ähnlich stark wie hohe Cholesterinwerte oder Fettleibigkeit. Das ergab eine aktuelle Analyse der KORA-Studie. mehr »

Den Berg im eigenen Tempo erklimmen

Medizinstudentin Solveig Mosthaf fühlt sich im Studium manchmal, als würde sie einen steilen Berg hinauf kraxeln. Sie wünscht sich mehr Planungsfreiheit – und die Möglichkeit, eigene Wege zu gehen. mehr »

Positive HPV-Serologie bringt bessere Prognose

Bei Patienten mit Kopf-Hals-Tumor ist eine positive HPV-16-Serologie mit einem verbesserten Überleben assoziiert. Das bestätigt jetzt eine US-Studie. Demnach liegt die Wahrscheinlichkeit für ein Fünf-Jahres-Überleben sogar 67 Prozent höher. mehr »