Ärzte Zeitung, 12.04.2005

Wer nicht zu Drogen greift, bekommt Bonuspunkte

Neues Abstinenzprogramm der Rheinischen Kliniken Bonn

KÖLN (frk). Die Rheinischen Kliniken in Bonn haben ihr Drogenabstinenzprogramm um ein Bonus-Punkte-System erweitert. Es soll die Patienten dazu motivieren, ihre Therapie länger durchzuhalten.

Raus aus der Sucht: In Bonn haben Mediziner ein Bonussystem für Drogenabhängige entwickelt. Foto: dpa

Wenn sie über einen Zeitraum von zwei Monaten drogenfrei bleiben, regelmäßig zu Gruppensitzungen kommen und pünktlich zu ihren Terminen erscheinen, erhalten die Patienten einen Punkt. Er entspricht einem Wert von 10 Euro. "Das Geld zahlen wir natürlich nicht in bar aus", erklärt Dr. Markus Banger, Chefarzt der Abteilung für Suchterkrankungen und Psychotherapie.

Statt dessen werden die Patienten zum Beispiel mit Kino- oder Sonnenbankgutscheinen, einem Freizeitparkbesuch, Büchern oder CDs belohnt. Sie haben auch die Möglichkeit, die Punkte anzusparen, um sich später etwa ein Regal für die Wohnung leisten zu können.

Das Drogenabstinenzprogramm, das Krankenkassen und die Stadt Bonn gemeinsam finanzieren, bieten die Rheinischen Kliniken des Landschaftsverbands Rheinland schon seit drei Jahren an. Etwa 30 Süchtige nehmen daran teil. Statt Substitutionsmittel wie Methadon erhalten die Patienten ein Medikament, das die Wirkung von Opiaten blockiert.

Auf diese Weise habe eine erneute Einnahme von Drogen keine berauschende Wirkung mehr, so Banger. Zusätzlich stehen den Teilnehmern ein Sozialarbeiter und eine Psychologin für das persönliche Gespräch zur Verfügung.

"Von rund 90 Patienten brach bisher nur etwa die Hälfte die Therapie ab", sagt Banger. Das sei für eine reine Abstinenztherapie ein guter Wert. Die meisten Abbrecher würden nach neun Monaten das Programm verlassen. "Die Patienten meinen, daß sie dann keine Hilfe mehr benötigen, doch sie überschätzen sich oft", erklärt Banger.

Vor allem in dieser kritischen Zeit sollen die Bonus-Punkte den Teilnehmern einen Anreiz bieten, die üblichen zwei Jahre Therapie durchzuhalten. Banger hofft, daß sich so etwas wie sportlicher Ehrgeiz zwischen den Teilnehmern entwickelt.

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