Ärzte Zeitung, 12.07.2005

Das Interesse an Entwöhnung ist groß, die Compliance aber weniger

Jeder vierte rauchende Patient ist nicht als Raucher bekannt / Große Hausarztstudie

MÜNCHEN (sto). Jeder vierte Raucher, der Patient in einer hausärztlichen Praxis ist, ist dort nicht als Raucher bekannt. Das betrifft vor allem jüngere Patienten. Von den Rauchern, die ihnen bekannt sind, sprechen Hausärzte jeden zweiten gezielt auf eine Tabakentwöhnung an. Doch nur die wenigsten davon nehmen die angebotene Behandlung in Anspruch.

Viele Raucher wollen eigentlich aufhören. Doch werden Entwöhnungs-Therapien angeboten, hapert es oft mit der Compliance. Foto: AOK Mediendienst

Das hat die große Hausarztstudie mit dem Namen SNICAS (Smoking and Nicotine Dependence Awareness and Screening) ergeben, an der insgesamt 813 Hausarztpraxen und 28 707 Patienten teilgenommen haben. Das Ergebnis sei mehr als ernüchternd, sagte die Dresdner Diplom-Psychologin Eva Hoch beim 6. Interdisziplinären Kongreß für Suchtmedizin in München.

Viele Raucher seien grundsätzlich bereit aufzuhören, berichtete Hoch. Fast alle Raucher hätten in den letzten zwölf Monaten mehrfach versucht aufzuhören. Die wenigsten Raucher-Entwöhnungen seien jedoch erfolgreich gewesen.

Als Gründe für das Scheitern gaben die Teilnehmer der Studie ausgeprägte Entzugserscheinungen, mangelnde Motivation, Verführung zum Rauchen am Arbeitsplatz, Gewichtszunahme und akuten Streß an, berichtete Hoch.

Von Ärzten und Patienten werde allgemein zwar großes Interesse am Thema Raucher-Entwöhnung bekundet. Tatsächlich sei die Compliance der Patienten aber doch sehr gering. Und: Die Therapien zur Raucherentwöhnungen würden oft als nicht effektiv angesehen.

Außerdem sei die Behandlung zeitaufwendig und könne nicht angemessen abgerechnet werden, so die häufigsten Aussagen von Hausärzten. In den allermeisten Fällen seien Hausärzten auch keine Spezialisten bekannt, die sich um die Raucherentwöhnung kümmern könnten, berichtete Hoch.

An der Studie waren das Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München und das Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden beteiligt. Gefördert wurde die Studie vom Bundesforschungsministerium und dem Unternehmen GlaxoSmithKline.

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