Ärzte Zeitung, 21.02.2006

Süchtig durch Narkotika-Spuren in der OP-Luft?

GAINESVILLE (ug). In der Luft in Operations-Sälen sind leichte Spuren der verwendeten Anästhetika nachzuweisen. Ein Forscherteam aus Florida fürchtet, das könne Anästhesisten und Chirurgen süchtig machen.

Die Chirurgin Priscilla McAuliffe und ihre Kollegen von der University of Florida in Gainesville haben Luftproben aus OP-Sälen gesammelt und darin nach Spuren von Narkotika gesucht, berichtet "Nature" online. Das Opioid Fentanyl etwa wurde in der Luft nahe der Injektionsnadeln und in der Ausatemluft der Patienten auf dem Op-Tisch gemessen.

Ärzte, die ständig diese Narkotika einatmen, könnten danach süchtig werden, vermuten die Forscher. Dafür gebe es Hinweise: Von allen Ärzten in den USA sind weniger als fünf Prozent Anästhesisten. Von den Ärzten aber, die im Jahr 2002 mit einer Therapie wegen Drogenabhängigkeit begonnen haben, seien zwölf Prozent Anästhesisten.

25 Prozent der Ärzte mit Drogen-Abusus sind von Opiaten abhängig, von den drogenabhängigen Chirurgen aber sind es 40 Prozent. Und es waren vor allem Opiate, die in der Luft der OP-Säle gefunden wurden, vor allem Fentanyl. 94 Prozent der Ärzte, die angeben, von Fentanyl abhängig zu sein, sind Anästhesisten oder Chirurgen.

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