Ärzte Zeitung, 18.09.2006

Hausärzte behandeln Opiatabhängige mit Erfolg

Kollegen springen ein, wenn spezialsierte Zentren in der Region fehlen / Bundesweite prospektive Studie

MÜNCHEN (sto). Die Substitutionsbehandlung von opiatabhängigen Patienten in Praxen in Deutschland ist erfolgreich. Das belegen Daten einer groß angelegten bundesweiten Studie in Arztpraxen.

Ein Drogenpatient hält ein Fläschchen mit Methadon in der Hand, das zur Substitution verwendet wird. Foto: imago / bonn-sequenz

In der prospektiven epidemiologischen COBRA-Studie wurden Daten zur Substitution von 2694 Patienten bei bundesweit 223 Substitutionsärzten über ein Jahr lang erhoben. Das Akronym steht für Cost-Benefit and Risk Appraisal of Substitution Treatments.

Auf der Grundlage einer umfangreichen Erhebung zu Beginn der Studie und zwei Kurzbefragungen nach sechs und neun Monaten wurde der Behandlungserfolg nach zwölf Monaten bewertet, wie Professor Hans-Ulrich Wittchen vom Institut für Klinische Psychologie und Psychotherapie der TU Dresden berichtet hat.

Substitutionsmittel sind ähnlich wirksam

Ergebnis: Vier Prozent der Patienten beendeten die Substitutionstherapie erfolgreich, waren also clean, sieben Prozent wechselten in eine drogenfreie psychosoziale Therapie. Der Anteil der Süchtigen mit Drogenbeigebrauch von Opiaten reduzierte sich von 19 auf 16 Prozent und der Anteil von Patienten mit Beigebrauch anderer Drogen von 49 auf 46 Prozent. Die Wirksamkeit der Substitutionsmittel Methadon und Buprenorphin sei dabei ähnlich gewesen, sagte Wittchen beim 7. Interdisziplinären Kongreß für Suchtmedizin in München.

Darüber hinaus waren kleine primärärztliche Praxen mit weniger als zehn Substitutionspatienten mindestens genauso erfolgreich wie große, spezialisierte Substitutionszentren mit mehr als 40 opiatabhängigen Patienten pro Tag, so Wittchen bei einer von Essex Pharma unterstützen Veranstaltung. Diese Erkenntnis eröffne neue Möglichkeiten für eine Verbesserung des Zugangs zur Substitutionstherapie in unterversorgten Regionen.

Die Substitutionsrate ist in Deutschland relativ niedrig

Verglichen mit anderen Ländern sei die Rate der Abhängigen, die eine Substitutionsbehandlung bekommen, in Deutschland relativ niedrig, berichtete Wittchen. Grund dafür seien das Ausmaß an Vorschriften bei der Substitution und der hohe administrative Aufwand. Es verwundere nicht, daß die Zahl der substituierenden Ärzte abnehme, so Wittchen.

STICHWORT

Drogensucht

Die Weltgesundheitsorganisation WHO unterscheidet acht verschiedene Formen von Drogenabhängigkeit: Morphin-Typ, Cannabis-Typ, Barbiturat-Alkohol-Tranquilizer-Typ, Kokain-Typ, Amphetamin-Typ, Khat-Typ, Halluzinogen-Typ und Morphin-Antagonisten-Typ.

Bei Patienten mit Amphetamin-, Kokain-, Halluzinogen- und Cannabis-Sucht besteht eine vorwiegend psychische Abhängigkeit. Bei den anderen Formen sind die Betroffenen sowohl physisch als auch psychisch von den Substanzen abhängig. (eb)

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