Ärzte Zeitung, 15.09.2006

Alkoholkranken hilft Motivationsprogramm

Ein Programm aus neun Sitzungen fördert die Therapietreue / Dadurch stieg die Dauer der Abstinenz signifikant

CHARLESTON (ner/mut). Zusätzlich zu einer Medikation hilft Alkoholkranken ein Motivationsprogramm, das die Compliance fördert. Kombinationen von zwei Arzneien oder von Arzneien mit Verhaltenstherapie brachten keinen zusätzlichen Nutzen.

Schnaps und Bier, Flaschen und Gläser - das beherrscht das Leben von Alkoholkranken. Ein Motivationsprogramm hilft, von der Sucht loszukommen. Foto: dpa

Das sind die Ergebnisse der großangelegten US-Studie COMBINE. Darin war in einem komplexen Studiendesign bei fast 1400 Alkohol-abhängigen Patienten untersucht worden, inwiefern Kombinationstherapien Vorteile im Vergleich zu Monotherapien bringen (JAMA 295, 2006, 2003).

Die Teilnehmer waren alle seit mindestens vier Tagen abstinent und wurden in neun Gruppen eingeteilt. Sie wurden insgesamt 16 Wochen lang behandelt. Vier Gruppen erhielten entweder eine Monotherapie mit Naltrexon oder Acamprosat, eine Kombinationstherapie beider Substanzen oder Placebo.

Vier weitere Gruppen erhielten dieselbe Medikation plus zusätzlich eine kognitive Verhaltenstherapie. Alle acht Gruppen nahmen an einem Motivationsprogramm zur regelmäßigen Einnahme der Arzneimittel teil, und zwar in jeweils neun Sitzungen. Die neunte Gruppe erhielt nur die Verhaltenstherapie.

Die Ergebnisse: Insgesamt waren die Unterschiede zwischen den Gruppen meist nicht signifikant. Die Zahl der abstinenten Tage sank signifikant nur während einer Naltrexon-Therapie (81 Prozent der Tage) oder einer kognitiven Verhaltenstherapie (79 Prozent) im Vergleich zu Placebo (75 Prozent).

Die Kombination von Verhaltenstherapie und Naltrexon brachte jedoch keinen zusätzlichen Vorteil. Auch ein zusätzlicher Nutzen einer Kombination von Naltrexon mit Acamprosat wurde nicht registriert.

Überraschenderweise war mit Acamprosat im Vergleich zu Placebo kein signifikanter Effekt nachweisbar. Dies widerspricht etlichen kontrollierten Studien. Offenbar hatte aber das Motivationsprogramm in der Studie einen Effekt: In der neunten Gruppe, die zwar die Verhaltenstherapie, nicht aber das Motivationsprogramm erhielt, war die Zahl der abstinenten Tage am geringsten (67 Prozent).

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Zahl der Behandlungsfehler stagniert

Die neue Statistik der Bundesärztekammer liegt vor. Sie zeigt, wo die meisten Behandlungsfehler passierten und wie die Schlichterstelle meistens entschied. mehr »

Abstimmung über Trumps Gesundheitsreform verschoben

Die Republikaner haben nicht genügend Stimmen für die Abschaffung von "Obamacare" zusammen, verschieben die Abstimmung im Kongress. Trump muss warten - das kann ihm nicht schmecken. Aber das Weiße Haus macht Druck. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »