Ärzte Zeitung, 11.01.2007

Alkohol-Abstinenz lässt das geschädigte Hirn regenerieren

Hirnvolumen nimmt zu / Studie mit Alkoholkranken

WÜRZBURG (ner). Hirnschäden durch chronischen Alkohol-Abusus scheinen teilweise reversibel zu sein, wenn die Patienten abstinent bleiben. Je länger der Alkohol-Abusus bereits besteht, desto schlechter sind jedoch die Erholungschancen.

Zum Aufhören ist es fast nie zu spät, denn das Gehirn kann sich regenerieren. Foto: dpa

Von 15 Alkoholikern, die mindestens drei Jahre abhängig waren und dann abstinent wurden, nahm bei 14 innerhalb von sieben Wochen das Hirnvolumen um durchschnittlich knapp zwei Prozent zu, so Professor Andreas J. Bartsch von der Universität Würzburg und seine Kollegen (wir berichteten kurz). Die Hirnvolumina waren zu Beginn und am Ende der Studie per MRT bestimmt worden. Nur bei einem Patienten nahm das Hirnvolumen leicht ab - dieser war bereits seit 25 Jahren abhängig. In einer Kontrollgruppe mit zehn gesunden Personen traten keine signifikanten Änderungen auf (Brain 130, 2007, 36).

Bei der Volumenzunahme handele es sich keinesfalls um eine simple Rehydratation, so der Neuroradiologe Bartsch mit Verweis auf den unveränderten Wassergehalt der Gehirne. Zudem korrelierte die Volumenzunahme mit einem verbesserten Hirnstoffwechsel. Das ergab sich aus der Messung bestimmter chemischer Marker für die Hirnfunktion per MR-Spektroskopie. Zu den Markern zählten Cholin- und die N-Acetylaspartat (NAA)-Werte. Beide Werte sind bei Alkoholikern im Vergleich zu Gesunden erniedrigt.

Das zerebelläre Cholin stieg bei den abstinenten Patienten signifikant um durchschnittlich 20 Prozent, und zwar direkt proportional zur Volumenzunahme. Das frontomesiale NAA erhöhte sich um elf Prozent.

Beide Marker sprächen für eine Regeneration von Neuronen und Gliazellen innerhalb weniger Wochen, so Bartsch. Dies machte sich auch klinisch bemerkbar: In neuropsychologischen Test waren Konzen-tration und Aufmerksamkeit signifikant besser als zu Studienbeginn.

Die Ergebnisse der Studie könnten Alkoholiker verstärkt zur Abstinenz motivieren, meint Professor Graeme F. Mason aus New Haven, Connecticut, in einem Kommentar (Brain 130, 2007, 8). Denn viele Patienten glaubten, der Schaden des Gehirns sei bereits unabänderlich vorhanden. Die Abstinenz habe jedoch für den Einzelnen einen konkreten, wahrnehmbaren und raschen Nutzen.

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