Ärzte Zeitung, 14.05.2007

Kinder sind zu Hause zunehmend Tabakqualm ausgesetzt

Raucher nehmen offenbar immer weniger Rücksicht auf ihre Kinder / Schwermetallbelastung bei Kindern zurückgegangen / Große Umweltstudie

MÜNCHEN (sto). Raucher rauchen zu Hause immer mehr. Als Folge sind Kinder in Deutschland zunehmend höheren Schadstoff-Belastungen durch Passivrauchen ausgesetzt. Die Belastung von Kindern mit Arsen, Blei und Quecksilber ist dagegen deutlich geringer geworden.

Erste Daten aus dem Kinder-Umwelt-Survey (KUS) des Umweltbundesamtes zeigen, dass die gesundheitlichen Belastungen von Kindern, die in Haushalten mit Rauchern leben, in den vergangenen Jahren stark zugenommen haben. Deutlich wird dies etwa am Wert für Cotinin, ein Stoffwechselprodukt des Nikotins, das auf die Exposition als Passivraucher schließen lässt. Ein Cotinin-Gehalt im Urin von 5 µg/L wird etwa bei Bedienpersonal in verrauchten Restaurants und Kneipen gemessen.

Der Anteil der Kinder, bei denen im Urin mehr als 5 µg/L Cotinin gemessen wurde, stieg nach den KUS-Daten in Haushalten mit mindestens zwei Rauchern von 35 Prozent in den 90er Jahren auf 46 Prozent im vergangenen Jahr. Darauf hat Dr. Marike Kolossa-Gehring vom Umweltbundesamt hingewiesen. In Haushalten mit einem Raucher stieg der Anteil um fast das Doppelte von 15 auf 27 Prozent. Insgesamt haben rauchende Mütter einen höheren Einfluss auf den Cotinin-Gehalt als rauchende Väter, berichtete Kolossa-Gehring auf einer Veranstaltung des GSF-Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit in München.

Besorgnis erregend sei auch, dass der Benzolgehalt in den Wohnungen, in denen geraucht wird, zum Teil deutlich über den Grenzwerten liegt, die für die Außenluft erlaubt sind, sagte Kolossa-Gehring. So wurden in 44 Prozent der Haushalte, in denen täglich geraucht wird, Benzolgehalte von mehr als 5 µg/m³ gemessen. Aus Vorstudien zum KUS sei bekannt, dass passiv rauchende Kinder eine erhöhte Infektanfälligkeit und auch häufiger Mittelohrentzündungen haben.

Gesunken ist immerhin die Belastung von Kindern mit Arsen, Blei und Quecksilber. Wesentliche Gründe hierfür seien das Verbot von Blei in Benzin sowie die zunehmende Verbannung von Amalgam in Zahnfüllungen, so Kolossa-Gehring.

STICHWORT

Kinder-Umwelt-Survey

Für den Kinder-Umwelt-Survey wurden zwischen 2003 bis 2006 bei 1790 Kindern von 3 bis 14 Jahren aus 150 Orten Umwelt-Daten erhoben. So wurden Blut-, Urin-, Trinkwasser-, Hausstaub- und Innenraumluftproben untersucht sowie Hörtests und Schallpegelmessungen gemacht. Geprüft wurden bei den Kindern auch die Belastungen durch Schimmel, Tierhaare und Lärm. (sto)

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