Ärzte Zeitung, 11.06.2007

60 Prozent weniger Re-Infarkte durch Rauchstopp

Nikotinverzicht ist die bei weitem wirksamste Maßnahme der Sekundärprävention / Ergebnis von Fünfjahres-Studie

BERLIN (gvg). Wer nach einem Herzinfarkt das Rauchen einstellt, kann sein Re-Infarkt-Risiko um rund 60 Prozent senken. Je intensiver die Betroffenen betreut werden, desto größer sind die Erfolgschancen für einen dauerhaften Rauchstopp.

Rauchen - nein Danke! Spätestens nach einem Herzinfarkt sollte der Griff zur Zigarette tabu sein. Foto: ill

"Der Rauchverzicht ist nach einem Herzinfarkt die bei weitem wirksamste Einzelmaßnahme der Sekundärprävention", sagte Professor Harry Hahmann von den Waldburg-Zeil-Kliniken in Isny. 60 Prozent der Herzinfarkte bei Männern und 75 Prozent der Infarkte bei Frauen ließen sich vermeiden, wenn es keine Raucher gäbe, so der Kollege bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

In einer Studie hat Hahmann zusammen mit Kollegen bei insgesamt 1200 Patienten versucht, den Nutzen präzise zu quantifizieren. Dabei wurden die Angaben der Patienten über ihr Rauchverhalten anhand eines Laborwerts, der Cotinin-Konzentration im Plasma, verifiziert. Cotinin ist ein Abbauprodukt des Nikotins.

Die Studie befindet sich mittlerweile im fünften Jahr der Nachbeobachtung. Verglichen mit jenen Patienten, die weiterhin rauchten, hatten jene, die es schafften, mit dem Rauchen aufzuhören, nach einem Jahr eine um 58 Prozent reduzierte Rate eines Re-Infarkts. Bei denen, die nie geraucht hatten, war sie um 75 Prozent geringer als bei jenen, die vor und nach dem Infarkt qualmten.

Deutlich wurde in der Studie auch, dass bei den Angaben über das Rauchen viel geschwindelt wird: "Bei 26 Prozent der Patienten, die sagten, sie hätten aufgehört, mussten wir diese Angabe nach Cotinin-Messung korrigieren", so Hahmann auf der von Pfizer unterstützten Veranstaltung.

Um die Quote der erfolgreichen Rauchentwöhnung nach einem Infarkt zu verbessern, plädierte Hahmann für eine intensivere Nachbetreuung der Patienten und für pharmakologische Maßnahmen zusätzlich zu ärztlichen Unterweisungen sowie für Verhaltenstherapie.

In einer Untersuchung hatte Hahmann bei 400 Patienten belegt, dass vier ambulante Schulungen innerhalb eines Jahres nach Rauchentwöhnung im Rahmen einer Anschlussheilbehandlung (AHB) die nach Abschluss der Maßnahme erreichte Quote der Nichtraucher konstant halten können. 39 Prozent der Patienten hatten zum Zeitpunkt des Infarkts noch geraucht. Fünf Prozent waren es noch nach der AHB. Nach einem Jahr waren es in der Gruppe derer, die geschult wurden, vier Prozent. In der Kontrollgruppe stieg der Anteil der Raucher wieder auf 13 Prozent.

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