Ärzte Zeitung, 23.10.2007

Drogenbeauftragte mahnt mehr Kontrollen an

Plädoyer für Testkäufe

BERLIN (af). Die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Sabine Bätzing (SPD), hat sich für Alkoholtestkäufe durch Jugendliche ausgesprochen.

"Um Jugendliche wirksam zu schützen, brauchen wir außer der notwendigen Aufklärungs- und Informationsarbeit auch überzeugende Kontrollmöglichkeiten", sagte Bätzing, gestern in Berlin bei der Eröffnung der Jahrestagung der Drogenbeauftragten. Schwerpunkt ist der Alkoholkonsum Jugendlicher.

Erst vor kurzem hatte Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) nach heftiger Kritik aus allen Parteien einen Gesetzentwurf zurückgezogen, der den Einsatz von Jugendlichen vorsah, um Einzelhändler zu stellen, die Alkohol an Jugendliche abgeben.

Die Zahl der Jugendlichen, die mit Alkoholvergiftungen in Kliniken eingeliefert werden, habe sich seit dem Jahr 2000 auf 19 400 mehr als verdoppelt, sagte Bätzing. Ein Grund sei die ständige Verfügbarkeit von Alkohol auch für noch nicht Volljährige. Um dem Jugendschutzgesetz Geltung zu verschaffen, brauche der Staat überzeugende Kontrollmöglichkeiten. Testkäufe von gut geschulten Jugendlichen unter behördlicher Aufsicht gehörten dazu. Das zeigten erfolgreiche Projekte von Kommunen.

Der Trend zum Vollrausch-Trinken sei ungebrochen, stellte Oliver Bilke fest, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrie des Vivantes Klinikums in Berlin-Hellersdorf. Dabei konsumierten die Jugendlichen etwa eineinhalb Flaschen Wodka pro Kopf und Abend. Schon ein Prozent der Elfjährigen in Deutschland trinke bereits regelmäßig Alkohol, sagte Ulrike Ravens-Sieberer von der Universität Bielefeld. Ein Unterschied im Trinkverhalten von Jungen und Mädchen sei kaum noch auszumachen.

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