Ärzte Zeitung, 14.11.2007

Suchtexperten für Werbeverbot von Alkohol

MANNHEIM (ddp). Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) mahnt ein Werbeverbot für alkoholische Getränke an. Für ein nachweislich gefährliches Produkt dürfe nicht geworben werden, sagte der DHS-Geschäftsführer Rolf Hüllinghorst bei der Fachkonferenz Sucht 2007 in Mannheim.

Hüllinghorst warf der Alkoholindustrie vor, alle Bemühungen im Kampf gegen die Alkoholsucht zu konterkarieren. Der Industrie gehe es einzig und allein darum, mehr Alkohol zu verkaufen und neue Zielgruppen zu gewinnen. Die Produzenten forderte der DHS-Geschäftsführer auf, beim Verkauf und Vertrieb alles daran zu setzen, dass Kinder und Jugendliche vom Alkoholkonsum abgehalten werden.

Die baden-württembergische Sozialministerin Monika Stolz (CDU) betonte, für Kinder aus Alkoholikerfamilien seien spezielle Konzepte erforderlich, damit diese nicht ebenfalls in die Sucht abrutschten. Stolz zufolge leben bundesweit 2,6 Millionen Kinder unter 18 Jahren mit alkoholkranken Eltern zusammen.

[14.11.2007, 11:25:06]
Katrin Koelle 
Höchste Zeit!
Unpopulär, aber umso lobenswerter ist dieser Vorstoß. Ich frage mich schon lange, wieso für Zigaretten im Fernsehen nicht mehr geworben werden darf - was ich richtig finde! -, für Alkoholika aber ja und das ohne Limit.

An den Folgen von Alkoholismus sterben immer noch mehr Menschen als am Rauchen. Vom Elend aller, die als Betroffene oder Angehörige (oder gar beides) im Dunstkreis dieser Suchterkrankung leben, ganz zu schweigen.

Vor allem Kinder und Jugendliche sind, wie ja die erschreckenden Fälle und Statistiken der letzten Monate zeigen, in Gefahr und natürlich besonders ansprechbar für die lockeren, witzigen und coolen Spots.

Es muss endlich klar Flagge gezeigt und deutlich gesagt werden, dass Alkohol ein Gift ist, das Nerven und Gehirn schädigt und ganze Familien kaputt machen kann. Beim Rauchen klappt diese Strategie ja mittlerweile - das könnte sie auch beim Trinken.

Man muss nur wollen, und da liegt der Haken, denn mit Alkohol lässt sich nun mal unglaublich viel Geld verdienen. Und sagen wir doch, wie es ist: Wer einmal an der Flasche hängt, ob nun aus Gewohnheit oder irgendwann aus Sucht, ist ein treuer Kunde...
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