Ärzte Zeitung, 01.12.2008

Genetischer Marker zeigt, wer gut auf Entwöhnungstherapie reagiert

Mithilfe von genetischen Markern lässt sich auch in der Psychiatrie der Therapie-Erfolg besser vorhersagen. So könnte es mit Naltrexon bald ein Medikament geben, das zur Alkoholentwöhnung speziell bei Menschen mit einer bestimmten Genvariante zugelassen wird.

Von Thomas Müller

Genetischer Marker zeigt, wer gut auf Entwöhnungstherapie reagiert

Medikamentöse Therapie kann helfen, von dem Zwang zur Flasche loszukommen.

Foto: Andreas Speer©www.fotolia.de

Viele Ärzte kennen das Problem: Bei manchen Menschen wirkt eine Arznei sehr gut, bei anderen mit der gleichen Erkrankung überhaupt nicht. Das kann viele Ursachen haben, mitunter auch genetische. Starke individuelle Unterschiede können in klinischen Studien jedoch dazu führen, dass ein Medikament insgesamt nur einen geringen oder keinen signifikanten Nutzen hat, obwohl es bei einem Teil der Patienten sehr gut wirkt.

Ein Beispiel dafür wurde jetzt auf dem Psychiatrie-Kongress in Berlin vorgestellt. Wie Dr. Falk Lohoff von der Universität in Philadelphia in den USA berichtet hat, ergab sich in Studien für den Opioid-Antagonisten Naltrexon insgesamt ein deutlicher, wenn auch geringer Vorteil bei der Alkoholentwöhnung im Vergleich zu Placebo. Naltrexon reduziert das Craving, blockiert die Alkohol-bedingte Euphorie und reduziert die Rückfallhäufigkeit. Die Arznei ist in einigen Ländern auch zur Entwöhnung zugelassen, nicht aber in Deutschland. Problematisch bei der Therapie sind mögliche hepatotoxische Effekte. Der Nutzen muss daher sorgfältig gegen die Risiken abgewogen werden.

15 Prozent reagieren besonders euphorisch auf Alkohol.

In Analysen von Naltrexon-Studien haben Forscher nun versucht herauszufinden, was Patienten, die gut auf die Substanz ansprechen, gemeinsam haben. Da die Arznei am μ-Opioid- Rezeptor wirkt, schauten sie sich auch das Gen für den Rezeptor genauer an. Sie fanden heraus, dass Patienten mit einer bestimmten Variante (A118G-Polymorphismus) besonders gut auf die Therapie angesprochen hatten. Die Variante kommt bei etwa 15 Prozent Bevölkerung in Europa und Nordamerika vor. Menschen mit dieser Varianten haben weniger μ-Opioid-Rezeptoren und reagieren euphorischer auf Alkohol als andere Menschen.

In der Nachanalyse einer Studie mit knapp 1400 Alkoholabhängigen lag die Rezidivrate bei ihnen nur bei zehn Prozent. Bei Menschen ohne diesen A118G-Polymorphismus - das war die überwiegende Zahl - lag die Rezidivrate bei 50 Prozent und war damit so hoch wie mit Placebo. Der geringfügig günstige Nutzen von Naltrexon in Studien ließ sich also auf einen ausgeprägten Nutzen bei dem kleinen Teil der Patienten mit A118G- Polymorphismus zurückführen, wohingegen die Übrigen praktisch nicht von der Therapie profitierten.

Lohoffs Fazit: Alkohol-Kranken mit der entsprechenden Genvariante kann Naltrexon sehr gut helfen, bei anderen Patienten sollte die Therapie vermieden werden. Angestrebt werde jetzt eine Zulassung in den USA für Menschen mit dem A118G-Polymorphismus. Dazu starten jetzt Placebo-kontrollierte Studien, bei denen gezielt Alkoholkranke mit und ohne diesen Polymorphismus mit Naltrexon behandelt werden.

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