Ärzte Zeitung, 31.05.2010

Kommentar

Ja zu Rauch- und Werbeverboten!

Von Michael Hubert

Suchtkranke haben keinen freien Willen - geht es um ihre Sucht. Deshalb ist es ja eine Sucht. Keine Sucht ohne den Drang zum Konsum. Das ist medizinisches Allgemeinwissen. Und: Tabakabhängigkeit findet sich in der WHO-Klassifikation von Krankheiten.

Was dem Heroinabhängigen der regelmäßige Druck ist, ist dem Tabakabhängigen seine regelmäßige Zigarette. Juristisch besteht ein Unterschied: Das eine ist illegal, das andere nicht. Medizinisch aber macht das keinen Unterschied: In beiden Fällen handelt es sich um Abhängigkeit.

Und noch einen Unterschied gibt es: Der Fixer schadet gesundheitlich nur sich selbst, der Raucher auch seinen Mitmenschen - solange es keine bundesweiten Rauchverbote gibt. Dass die viel bringen, ist belegt. In Ländern mit Rauchverboten ist die Zahl von Herzinfarkten rückläufig, weniger Menschen fangen an zu rauchen.

Es gibt also viele Argumente für Rauchverbote. Minister Rösler muss seine noch kürzlich geäußerte Ablehnung von Rauchverboten dringend überdenken. Ein Gesundheitsminister sollte "ja" sagen zu Rauchverboten! Und "nein" sagen zur Werbung für ein Suchtmittel mit so vielfältigen negativen Wirkungen. Damit sich Deutschland nicht weiter sperrt gegen ein EU-Werbeverbot.

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