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Gelegenheit zur Rauchstopp-Beratung nutzen!

Nur jeder dritte Arzt im Krankenhaus berät rauchende Patienten zum Rauchstopp. Dabei ist fast jeder Arzt davon überzeugt, dies tun zu müssen.

Von Thomas Meißner

Der Klinikaufenthalt von Rauchern ist eine gute Gelegenheit, zum Rauchstopp zu beraten.

Der Klinikaufenthalt von Rauchern ist eine gute Gelegenheit, zum Rauchstopp zu beraten.

© Alexander Raths / fotolia.com

HEIDELBERG. Eine der wirkungsvollsten Maßnahmen, die Prognose von kranken Menschen, die rauchen, zu verbessern ist, sie dabei zu unterstützen, mit dem Rauchen aufzuhören. Man kann einen Bluthochdruck noch so gut medikamentös einstellen oder eine Hyperlipidämie beseitigen, die prognostischen Effekte für den Patienten werden konterkariert, wenn er weiter raucht.

Umso erstaunlicher erscheint es, dass nur 40 Prozent der Ärzte bei jeder Visite ihrer Patienten dieses Thema ansprechen, so eine internationale Untersuchung bei Hausärzten.

Sehr effektiv wäre eine solche Beratung gerade auch im Krankenhaus, sagt Dr. Tobias Raupach von der Uniklinik Göttingen. Denn viele hospitalisierte Patienten sind ja gerade aufgrund tabakassoziierter Krankheiten stationär aufgenommen worden.

Dies sei "eine einzigartige Möglichkeit, Raucher zu erkennen und einen Rauchstopp anzuregen", schreiben Raupach und seine Kollegen im "European Journal of Cardiovascular Prevention & Rehabilitation" (2011; 18: 334). Sie wollten wissen, warum dies nicht geschieht und haben in einer Studie Krankenhausärzte und Patienten systematisch befragt.

Heraus kam Erstaunliches: Sowohl Patienten als auch Ärzte unterschätzen erheblich das Risiko, wegen Rauchens an Krebs oder chronischen Lungenleiden zu erkranken. Die Zahl der Substanzen im Tabakrauch wurde im Median auf 100 geschätzt, real sind es etwa 4800. Auch die Zahl der jährlichen rauchassoziierten Todesfälle in Deutschland - 110.000 bis 140.000 - wird von einem Drittel der Kollegen unterschätzt.

Zudem scheinen Ärzte wie Patienten nicht sonderlich davon überzeugt zu sein, dass Rauchabstinenz-Therapien effektiv sein könnten. Denn "Willenskraft" wird als am meisten effektiv angesehen, wenn es darum geht, tabakabstinent zu bleiben. Und die Langzeit-Wirksamkeit der Akupunktur wird höher eingeschätzt als die Beratung durch den Hausarzt, obwohl für Akupunktur derartiges nie nachgewiesen worden ist.

Rauchertelefon beim Krebsforschungszentrum

Unterstützung bei der Planung und Umsetzung des Rauchausstiegs bietet das Rauchertelefon des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ). Dort gibt es auf Wunsch auch Adressen von Therapeuten und Kliniken.

Das Rauchertelefon dient außerdem als Anlaufstelle für rückfallgefährdete und rückfällig gewordene Raucher, die wieder aufhören möchten. Zusätzlich ist im Jahre 2003 gemeinsam mit der Deutschen Krebshilfe das Rauchertelefon speziell für Krebspatienten und ihre Familien eingerichtet worden.

Im Mittelpunkt der Gespräche stehen die bisherigen Raucherfahrungen, Hinweise, wie man mit Schwierigkeiten und Entzugssymptomen in der Abstinenz umgehen kann, die Motivation und praktische Tipps für die Gestaltung der ersten rauchfreien Tage.

Rauchertelefon Mo bis Fr, 14 bis 17 Uhr: 0 62 21 / 42 42 00, für Krebspatienten: 0 62 21 / 42 42 24

"Zu wenig Zeit" ist wahrscheinlich einer der Hauptfaktoren, warum zwar fast jeder befragte Krankenhausarzt glaubt, dass Raucher vom Aufhören überzeugt und entsprechend beraten werden müssten, es aber nur weniger als ein Drittel tun.

Andererseits: Wer glaube, dass es beim Rauchstopp vor allem auf Willenskraft ankomme, der überlasse das Problem in erster Linie den Betroffenen und sei sich nicht der Problematik der Nikotinsucht bewusst, meint Raupach.

Denn die Sucht ist es, die Verhaltenstherapien und pharmakologische Interventionen erforderlich macht. Die Geringschätzung der Effektivität von Nikotin-Ersatztherapien, so befürchtet der Kardiologe, könne Ärzte davon abhalten, derartige Therapien zu verordnen.

Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass nicht nur viele Patienten, sondern auch ein Drittel der befragten Ärzte glaubt, Nikotin gehöre mit zu den Substanzen im Tabakrauch, die koronare Gefäßerkrankungen auslösten.

"Man kann annehmen, dass Ärzte, die irrtümlich Nikotin für die Initiation und Progression der koronaren Herzkrankheit verantwortlich machen, ihren Patienten womöglich eine Nikotin-Ersatztherapie vorenthalten", so Raupach und seine Kollegen. Und Patienten, die kardiovaskuläre Nebenwirkungen befürchten, werden diese Behandlung ablehnen, obwohl deren Sicherheit als erwiesen gilt.

Tatsächlich sind es mindestens 250 der 4800 Substanzen, die meist erst beim Verbrennen des Tabaks entstehen, die giftig oder kanzerogen sind, darunter Arsen, Benzol, Cadmium oder das radiotoxische Polonium 210.

Etwa 90 Substanzen gelten als sicher oder als mit hoher Wahrscheinlichkeit krebserzeugend, etwa polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe, Acetaldehyd und aromatische Amine. Niemand würde wohl freiwillig und bewusst Naphthalin, wie es in Mottenkugeln vorkommt, Blausäure oder all die anderen Chemikalien zu sich nehmen.

Drei von zehn Erwachsenen in Deutschland tun dies dennoch, ein Drittel der Raucher und ein Viertel der Raucherinnen mehr als 20 mal pro Tag.

www.tabakkontrolle.de

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