Ärzte Zeitung, 28.06.2013

Leitartikel zu Sucht im Alter

Das große Schweigen

Einsame Witwen nehmen gern mal eine "Seelenpille" mehr oder schwören auf den Schluck Melissengeist. Auch männliche Ruheständler ertränken ihre Untätigkeit nicht selten in Alkohol. Suchtprobleme alter Menschen wurden lange unterschätzt.

Von Christine Starostzik

spok-A.jpg

Alkohol-Problem? Zu entscheiden ist zwischen Fürsorge und Patienten-Autonomie.

© michelangelus / fotolia.com

Natürlich kommen auch die drogenumnebelten 68er in die Jahre, längst nicht alle sind heute frei von Heroin, Kokain oder dem Ersatzstoff Methadon.

Den Hauptteil der substanzabhängigen Senioren bilden aber diejenigen, die versuchen, sich den Alltag mit Medikamenten und Alkohol erträglich zu gestalten. 34 Prozent der Männer und 18 Prozent der Frauen zwischen 65 und 79 Jahren konsumieren einer aktuellen Studie des Robert Koch-Instituts zufolge Alkohol in schädlicher Weise (Bundesgesundheitsbl 2013; 56: 809).

Psychotrope Medikamente dagegen sind eher eine Domäne der Frauen: Der Berliner Altersstudie zufolge nehmen etwa 25 Prozent ab einem Alter von 70 Jahren Psychopharmaka ein, allein 13 Prozent erhalten Benzodiazepine.

Oft steht am Anfang ein gegen Schlafstörungen, Angst, Depressionen oder Schmerzen verordnetes Medikament, dessen Abhängigkeitspotenzial die Patientinnen nicht einschätzen können.

Dass die Suchtproblematik selbst vor der Pflegesituation nicht haltmacht, belegen die Ergebnisse einer BMG-Studie, der zufolge etwa 14 Prozent der pflegebedürftigen Patienten ein Medikamenten- oder Alkoholproblem haben.

Das Pflegepersonal muss erst lernen, mit älteren substanzabhängigen Menschen adäquat umzugehen ...

Jetzt gleich lesen ...Jetzt gleich lesen ...

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Hohes Sterberisiko bei Ausbruch in der Adoleszenz

Wenn sich Typ-1-Diabetes in einem besonders vulnerablen Alter manifestiert, brauchen Betroffene viel Aufmerksamkeit. Sie haben ein hohes Risiko, an Komplikationen zu sterben. mehr »

100 Prozent Zustimmung

Die KBV-Vertreterversammlung präsentiert sich in neuer Einigkeit und richtet die Speere – wieder – nach außen. Klare Kante gegenüber dem Gesetzgeber und den Krankenhäusern. "Wir sind auf Kurs", meldete KBV-Chef Gassen. mehr »

Herz-Kreislauf-Risiko von Anfang an im Blick behalten!

Bei RA-Patienten sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen die wichtigste Todesursache. Die aktuellen Therapiealgorithmen zielen nicht zuletzt darauf ab, die Steroidexposition zu begrenzen. mehr »