Ärzte Zeitung App, 02.09.2014

Lebenszeit

Männer verrauchen neun Jahre

Wer auf Alkohol und Zigaretten verzichtet und sich auch sonst gesund ernährt, lebt bis zu 17 Jahre länger. Berechnungen des DKFZ zeigen außerdem: Durch das Rauchen geht die meiste Lebenszeit flöten.

Männer verrauchen neun Jahre

Auch ein moderater Zigaretten-Konsum reduziert die Lebenserwartung um Jahre.

© Photographee.eu / fotolia.com

HEIDELBERG. Die meiste Lebenszeit kostet es, zu rauchen, haben Berechnungen aus Daten der EPIC-Studie ergeben. Männern raubt der Glimmstängel im Schnitt neun, Frauen sieben Lebensjahre, teilt das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) mit.

Eigentlich weiß es jeder: Gesund ist es nicht, sein Dasein als schwergewichtige "Couch Potatoe" mit Bier und Zigaretten vor dem Fernseher zu verbringen. Wie groß die schädlichen Effekte tatsächlich sind, die ein solch ungesunder Lebensstil mit sich bringt, haben Wissenschaftler aus dem DKFZ nun präzise ermittelt (BMC Medicine 2014; 12: 59)

Die DKFZ-Epidemiologen um Professor Rudolf Kaaks errechneten, wie viele Jahre jedes einzelne Risikoverhalten von der durchschnittlichen Lebenserwartung eines heute Vierzigjährigen raubt. Außerdem ermittelten sie die Auswirkungen der kombinierten Risiken.

Das Rauchen schlägt am stärksten zu Buche

Das günstigste Risikoprofil und damit die größte Lebenserwartung hatten demnach Nichtraucher mit einem Body Mass Index zwischen 22,5 und 24,9, die wenig Alkohol tranken, körperlich aktiv waren und wenig rotes Fleisch, dafür aber viel Obst und Gemüse aßen: Diese Menschen dürfen sich im Alter von 40 auf 47,5 (Männer) und sogar 48,7 weitere Lebensjahre (Frauen) freuen.

Betrachteten die Wissenschaftler die verschiedenen riskanten Lebensstilfaktoren jeweils einzeln, so schlägt das Rauchen am stärksten zu Buche: Raucht ein Mann über zehn Zigaretten pro Tag, so verliert er ganze 9,4 Jahre an Lebenserwartung, eine Frau 7,3 Jahre.

Auch ein moderater Konsum von weniger als zehn Zigaretten pro Tag reduziert die Lebenserwartung bei beiden Geschlechtern immer noch um etwa fünf Jahre.

Weitere Lebensstilfaktoren, die zu einem deutlichen Verlust an zu erwartenden Lebensjahren führen, sind: Adipositas (3,1/3,2 Jahre), starker Alkoholkonsum in Form von mehr als vier Drinks pro Tag (3,1 Jahr, nur Männer) und hoher Verzehr an rotem Fleisch (2,4 Jahre Frauen, 1,4 Jahre Männer).

Aber auch ein Body Mass Index unter 22,5 kg/m2 verringert die Lebenszeit (3,5 Jahre Männer, 2,1 Jahre Frauen). Ein Mangel an körperlicher Aktivität machte sich nicht durch einen signifikanten Verlust an Lebenserwartung bemerkbar.

Häufig Kombination von Risiken

Bei vielen Menschen bleibt es jedoch nicht bei einer einzigen ungesunden Angewohnheit. Um das zu berücksichtigen, errechneten die Forscher um Kaaks auch, welche Effekte eine Kombination dieser riskanten Lebensstilfaktoren mit sich bringt.

Demzufolge büßt ein adipöser starker Raucher, der viel trinkt und viel rotes Fleisch verzehrt, gegenüber dem Mitmenschen mit günstigstem Risikoprofil bis zu 17 Jahre an Lebenserwartung ein. Bei Frauen wären es 13,9 Jahre.

Für ihre aktuelle Untersuchung stand den DKFZ-Epidemiologen ein wahrer Datenschatz zur Verfügung: Das DKFZ ist beteiligt an EPIC, der gesamteuropäischen Studie zum Zusammenhang von Ernährung, Lebensstilfaktoren und Krebs. Seit nun 20 Jahren werden die Lebensstilfaktoren von über einer halben Million Europäer sorgfältig dokumentiert.

Allein das EPIC-Zentrum im DKFZ betreut 25.540 Studienteilnehmer aus dem Raum Heidelberg. Deren Daten flossen in die neue Erhebung ein, wie das Heidelberger Forschungszentrum mitteilt. Die EPIC-Daten seien von hoher Qualität, da die Teilnehmer im Verlaufe der Studie mehrfach zu ihrem Lebensstil befragt worden sind.

"Oft werden wissenschaftliche Hinweise auf einen gesunden Lebensstil als "erhobener Zeigefinger" empfunden", wird Kaaks, Leiter von EPIC Heidelberg, in der Mitteilung zitiert.

"Deswegen ist es wichtig, dass wir ganz klar beziffern, was jeder einzelne an Lebenszeit gewinnen kann, wenn er frühzeitig auf ungesunde Angewohnheiten verzichtet." (eb)

[02.09.2014, 15:10:01]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Kollege Dr. Peter Köhler, die (ernährungsbiol.) Vernunft spricht gegen einen Zusammenhang:
ein bischen Gemüse dazu, und schon ist der Unterschied nicht mehr nachweisbar.
Es sind daher andere Faktoren, die dem Fleisch von den Vegetariern gerne untergeschoben werden.
In USA hat man auch untersuchungen gemacht, die die unterschiedliche Zubereitung betreffen.
Und tatsächlich, je stärker "verbrannt" desto ungesunder.
Der Hauptnachteil von gutem Fleisch ist global:
es ist nicht eben billig.
 zum Beitrag »
[02.09.2014, 14:48:52]
Dr. Thomas Georg Schätzler 
Kein Alkohol ist auch keine Lösung!
Ein Ärgernis vorweg: Die "European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition" (EPIC) Studie mit knapp 450.000 europäischen Teilnehmern ist ein krankheitsepidemiologischer Euphemismus. EPIC war und ist nie und nimmer prospektiv. Es handelt sich in Wahrheit um eine simple "Follow-up"-Studie im "wait and see"-Design mit ex-post Befragung von Ernährungs- und Lebensgewohnheiten. Im zeitlichen Verlauf wurden von verschiedenen Studiengruppen höchst unterschiedliche, spekulative Hypothesen vorformuliert, um sie an Hand von invalidem Datenmaterial verifizieren zu wollen. Denn niemand kann im Voraus p r o s p e k t i v definieren, was er die nächste Zeit essen und trinken bzw. wie er sich verhalten wird.

Die Arbeit von Kuanrong Li, Anika Hüsing und Rudolf Kaaks: "Lifestyle risk factors and residual life expectancy at age 40: a German cohort study" entspricht in den Kernaussagen bereits in ihrem Abstract der oben erläuterten, irritierenden EPIC-Verwirrung:
Als Hintergrund ihrer Studie geben die Autoren für "westliche Populationen" (was immer das sein mag?) die Assoziation von Rauchen, Adipositas, ungesunder Ernährungsweise, schwerwiegendem Alkoholkonsum und körperlicher Inaktivität als Ursache für etwa die Hälfte aller vorzeitigen Sterbefälle an. ["Background - Cigarette smoking, adiposity, unhealthy diet, heavy alcohol drinking and physical inactivity together are associated with about half of premature deaths in Western populations. The aim of this study was to estimate their individual and combined impacts on residual life expectancy (RLE)."].

Schlussfolgerungen lesen sich dann aber folgendermaßen: Förderung gesunder Lebensstile, speziell keine Zigaretten zu rauchen und ein gesundes Körpergewicht beizubehalten sollte die Kernkomponente öffentlicher Gesundheitsempfehlungen sein, um vorzeitige Todesfälle in Deutschland und vergleichbaren Wohlstandsgesellschaften zu reduzieren ["Conclusions
Promoting healthy lifestyles, particularly no cigarette smoking and maintaining healthy body weight, should be the core component of public health approaches to reducing premature deaths in Germany and similar affluent societies."].

Das ist so banal und schlicht gestrickt, dass den Autoren doch glatt entfallen ist, m o d e r a t e n Alkoholkonsum (und damit verbundenes Genussverhalten im Lebensstil) als eine Komponente der Verlängerung der Lebenserwartung und der Lebensqualität zu würdigen.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund
 zum Beitrag »
[02.09.2014, 11:32:51]
Dr. Peter Köhler 
Rotes Fleisch = ?
Wie ist die Verringerung der Lebenserwartung wissenschaftlich einwandfrei belegt? Es ist doch eher durch das Blut/Eisenangebot eine Verbesserung zu erwarten. zum Beitrag »
[02.09.2014, 09:14:43]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
Männer rauchen weniger, Frauen rauchen mehr
das ist der Trend.
political correct = Lüge zum Beitrag »

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

9 wichtige Forderungen, Analysen, Informationen

Fleißige Delegierte: In Freiburg wurde wieder eine große Palette an Themen abgearbeitet. mehr »

Immer mehr Nichtraucher erkranken an Lungenkrebs

In US-Kliniken tauchen immer häufiger Nichtraucher mit Lungenkrebs auf, vor allem Frauen sind betroffen. Das könnte am Passivrauchen liegen. mehr »