Ärzte Zeitung, 23.09.2015

Einstiegsdroge E-Zigarette

Wer dampft, raucht auch bald

Die Bundesregierung diskutiert ein Abgabeverbot für E-Zigaretten an Minderjährige. Eine Studie aus den USA liefert jetzt neuen Zündstoff in dieser Diskussion.

Von Veronika Schlimpert

Wer dampft, raucht auch bald

Zigaretten oder E-Zigarette? Jugendliche wählen meist zuerst den Verdampfer.

© teraskarina / fotolia.com

 LOS ANGELES. Gegner sehen in der elektronischen Zigarette besonders für Jugendliche eine Gefahr für den Einstieg in das Rauchen herkömmlicher Tabakprodukte. Für das Gefährdungspotenzial sprechen Ergebnisse einer aktuellen Untersuchung aus den USA.

Dort, aber auch in Deutschland, wird die E-Zigarette bei Jugendlichen immer beliebter, selbst unter denjenigen, die bisher keine herkömmlichen Zigaretten geraucht haben.

E-Zigarette führt zur echten Zigarette

In dieser prospektiven Untersuchung begannen jugendliche E-Zigaretten-Dampfer häufiger mit dem Tabakrauchen als ihre Altersgenossen, die niemals E-Zigaretten-Dampf konsumiert haben: 30,7 Prozent der anfänglichen E-Zigaretten-Konsumenten qualmten sechs Monate nach Studienbeginn auch Zigaretten, Zigarren oder Wasserpfeifen, aber nur 8,1 Prozent der Jugendlichen, die niemals eine E-Zigarette angerührt hatten.

Zwölf Monate später haben entsprechend 25,2 und 9,3 Prozent der Teilnehmer bereits Tabak konsumiert (JAMA 2015; 314: 700). Für die regelmäßigen E-Zigaretten-Dampfer war es damit im Vergleich fast dreimal so wahrscheinlich, mit Tabakrauchen anzufangen (adjustierte Odds Ratio 2,65).

Die 14-jährigen Schüler in der Studie absolvierten alle ihr erstes Highschool-Jahr. Keiner der insgesamt 2530 Jugendlichen hatte zu Beginn der Untersuchung im Herbst 2013 jemals in irgendeiner Form Tabak geraucht, 222 nahmen aber nach eigenen Angaben regelmäßig Nikotin über E-Zigaretten auf.

Diese Daten sind ein starker Hinweis darauf, dass der Konsum von E-Zigaretten in der frühen Adoleszenz mit einem erhöhten Risiko einhergeht, innerhalb eines Jahres auch das Tabakrauchen auszuprobieren, schreiben die Studienautoren um Dr. Adam Leventhal von der University of Southern California in Los Angeles.

Manche halten E-Zigaretten für ungefährlich

Dementsprechend sei es unwahrscheinlich, dass sich die große Zahl der jugendlichen E-Zigarettenraucher in den USA, die kürzlich in zwei Untersuchungen erhoben wurde, auf Tabakraucher zurückführen lasse, die nachträglich zur elektronischen Zigarette griffen.

Einerseits könnten gemeinsame Risikofaktoren dafür ursächlich sein, dass Teenager Nikotin, egal in welcher Form, konsumierten, spekulieren die Studienautoren über die Ursachen. Dabei müsse nicht unbedingt eine Kausalität bestehen. Mancher Jugendlicher denke womöglich, dass E-Zigaretten ungefährlich seien und würde deshalb zu dieser Konsumform greifen.

Auch die für Jugendliche erhältlichen attraktiven Geschmackssorten, das ansprechende Marketing und die lasche Durchsetzung eines Abgabeverbotes an Minderjährige könnten den E-Zigaretten-Konsum unter Jugendlichen weiter ankurbeln.

Die Wissenschaftler vermuten zudem, dass neuere Modelle der E-Zigaretten, die eine schnelle und effektive Nikotinaufnahme gewährleisten, die Suchtanfälligkeit fördern. Das Gehirn sei in diesem Alter wahrscheinlich empfindlicher für die Wirkung von Nikotin; soziale Umstände sowie neuronale Veränderungen würden Jugendliche für entsprechende Verhaltensänderungen anfällig machen.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Einstiegsdroge E-Zigarette

[23.09.2015, 09:27:09]
Dr. Dr. Nuro Nicha 
So einen Quatsch
Wieder mal hervorragend gebracht. Absoluter quatsch und basiert auf nichts. So wie es die ganze Zeit bei Ezigaretten läuft. Vermutungen werden als Sachliche Berichtgebung dargestellt.

Wieso werden denn die Zigaretten nicht einfach abgeschafft? Dann wäre das wenig schädliche Produkt weit vorne.

Die Pharmaindustrie lässt mal wieder grüßen. Im letzten jahr über 6 Milliarden einbußen bei Nikotinersatzprodukte (die nachweislich nicht funktionieren können). Kein Wunder das die Pharmaindustrie so vehement gegen dieses wirklich gutes Produkt vorgeht.

Woher kommt eigentlich dieses Märchen rund um Nikotin? Es ist weder krebserregend noch giftig in die Mengen die verwendet werden. Höchstens wie Kinin, Kaffeein ein Genußmittel. Nikotin ist was wundervolles und führt absolut nicht zu das rauchen von Zigaretten. Wer Dampft wird nicht mehr rauchen weil es eklig ist.

In diesem Sinne.

Nuro zum Beitrag »
[23.09.2015, 08:05:12]
Prof. Dr. Bernd Mayer 
1. Semester Statistik: Unterscheidung von Korrelation und Kausalität
Kürzlich hat mir jemand erzählt, dass er in einem Anfängerkurs für Statistik die exzellente Korrelation zwischen dem Rückgang der Säuglingssterblichkeit im 20. Jahrhundert und der Verminderung der Population von Störchen bewiesen hat. Der Autor dieses Artikels in der Ärztezeitung würde vermutlich daraus schließen, dass Störche Säuglinge fressen.

In der JAMA-Studie wurde gezeigt, dass Jugendliche die zumindest einmal eine E-Zigarette ausprobiert haben auch zumindest einmal eine Tabakzigarette ausprobiert haben. Die naheliegenden Fragen nach Häufigkeit und Dauer des Gebrauchs wurden nicht gestellt. Um das Wunschresultat nicht zu gefährden? Was sagt uns diese Studei? Dass Jugendliche, die das Eine probieren häufig auch das Andere probieren. Vermutlich würde man eine ähnliche Korrelation finden, wenn man nach einmaligem Konsum von Alkohol, negativen Schulnoten oder Mopedunfällen gefragt hätte. Es gibt offenbar einen gewissen Anteil an experimentierfreudigen bzw. risikosuchenden Jugendlichen, die im Teenageralter nicht exakt so funktionieren wie man das gerne hätte.

Die Autoren selbst sagen: "Further research is needed to understand whether this association may be causal." Im Unterschied zu den Schreibern in der Ärztezeitung haben die Autoren den Unterschied zwischen Korrelation und Kausalität verstanden.

Falls in der Redaktion jemand ernsthaft an der Problematik dieser und ähnlich konzipierter epidemiologischer Studien interessiert sein sollte, verweise ich auf den Blogartikel von Michael Siegel (Department of Community Health Sciences, Boston University School of Public Health): http://tobaccoanalysis.blogspot.co.at/2015/09/in-my-view-reporting-of-findings-from.html zum Beitrag »

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