Ärzte Zeitung, 21.04.2004

Autofahren geht auch mit Fentanyl-Pflaster

Transdermale Opioid-Therapie ist weniger sedierend und führt seltener zur Arznei-Toleranz als orale Therapie

WIESBADEN (grue). Gegen starke chronische Schmerzen wird ab Mai ein Schmerzpflaster mit dem Opioid Fentanyl angeboten, das eine Weiterentwicklung des bisherigen Fentanyl-Reservoirpflasters ist. Das Analgetikum wird aus einer dünnen selbsthaftenden Matrixschicht freigesetzt.

Das Matrixpflaster (Durogesic® SMAT) ist genauso wirksam wie das bisherige Fentanyl-Reservoirpflaster, aber dünner und flexibler als sein Vorgänger. Es wird in vier Wirkstärken angeboten und ist in der kleinsten Größe (25 µg Fentanylfreisetzung pro Stunde) nur 10,5 cm2 statt vorher 18,7 cm2 groß.

Wie Dr. Winfried Meißner aus Jena beim Internistenkongreß in Wiesbaden berichtet hat, bevorzugen Schmerzpatienten die Behandlung mit Schmerzpflastern. Viele sagen, das Pflaster würde besser wirken als orale retardierte Opioide. "Vermutlich dosieren sie Fentanyl als Pflaster höher, weil dieses Opioid seltener zu Verstopfung führt", so Meißner auf der Veranstaltung von Janssen-Cilag.

Oft wird die Pflaster-Therapie bei der Medikamentenanamnese nicht angegeben. Meißner riet deshalb, bei der Verordnung eines Schmerzpflasters auf dessen systemische Wirkung hinzuweisen. "Transdermal resorbierte Opioide haben die gleichen erwünschten und unerwünschten Wirkungen wie morphinhaltige Tabletten oder Tropfen".

Allerdings kommt es mit Fentanyl wohl seltener zur Toleranzentwicklung. So waren Fentanyl und retardiertes Morphin in einer Langzeit-Studie bei Patienten mit Nicht-Tumorschmerzen ähnlich gut wirksam, allerdings mußte Morphin nach den ersten Wochen fortlaufend höherdosiert werden, während die Fentanyl-Dosis fast gleich blieb.

Das transdermale Opioid sediere offenbar auch weniger. In einer Studie zur Verkehrstüchtigkeit mit 30 Patienten mit Fentanyl gab es keinen Unterschied zur Kontrollgruppe. Gut mit Fentanyl eingestellte Patienten könnten deshalb meist Autofahren.

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