Ärzte Zeitung, 23.08.2004

Bei Opioid-Medikation ist meist ab Therapiestart ein Laxans angesagt

Für palliativmedizinisch Betreute muß das Präparat speziell ausgewählt werden

BENSBERG (kas). Palliativmedizinisch betreute Patienten haben häufig eine Obstipation. Hierzu tragen etwa die meist eingeschränkte Flüssigkeitszufuhr und ballaststoffarme Ernährung bei. Ein wichtiger Risikofaktor ist aber auch die Behandlung mit Opioiden. Wichtig ist deshalb, frühzeitig auch eine Laxanzien-Therapie zu beginnen.

Alle Opioide wirken obstipierend, unabhängig vom Applikationsweg, also auch auch bei transdermaler oder intrathekaler Applikation. Da übliche Basismaßnahmen gegen funktionelle Obstipation wie mehr körperliche Aktivität, höhere Trinkmenge und ballaststoffreichere Ernährung bei vielen palliativmedizinisch betreuten Patienten nicht mehr möglich sind, besteht eine Indikation für Laxanzien. Darauf hat Professor Eberhard Klaschik vom Malteser Krankenhaus Bonn-Hardtberg bei einer Veranstaltung in Bensberg bei Köln hingewiesen.

Leinsamen ist für bettlägerige Palliativ-Patienten ungeeignet

Die Auswahl eines Laxanz verlange dabei besondere Sorgfalt, denn bei unbedachter Laxanzien-Anwendung könne es zu Krämpfen und Diarrhoe kommen, was diese Patienten noch pflegeabhängiger macht, so Klaschik bei der vom Unternehmen Schwarz Pharma unterstützten Veranstaltung. So kämen Füll- oder Quellstoffe wie Lein- oder Flohsamen nur in Frage, wenn Patienten noch viel essen, aber nie bei Bettlägerigen. Zucker-Laxanzien wie Lactulose seien wegen ihrer häufigen unerwünschten Effekte wie Meteorismus bei palliativmedizinisch Betreuten ungeeignet, da die Therapie meist lange Zeit nötig sei.

Unter den osmotisch wirkenden Laxanzien hat sich nach Erfahrung von Klaschik Macrogol 3350 - vom Unternehmen angeboten als Isomol® - als sehr gut verträglich erwiesen. Es hydratisiert verhärteten Stuhl und entzieht dem Körper kein Wasser. Pro Beutel müssen 125 ml Wasser eingenommen werden.

Am Zentrum für Palliativmedizin im Malteser Krankenhaus Bonn-Hardtberg hat sich ein Stufenschema mit Macrogol als Basis-Laxans bewährt. Man beginnt mit einen Beutel Macrogol 3350 pro Tag. Nach zwei Tagen kann man die Menge auf bis zu drei Beutel pro Tag erhöhen, wenn der Patient genug trinkt. Reicht das nicht aus, werden 10 bis 20 Tropfen Natriumpicosulfat dazugegeben oder Senna. In der nächsten der folgenden Therapiestufen wird die Dreier-Kombination von Macrogol, Senna und Paraffin angewandt.

Laxanzienverordnung ist direkt auf dem BtM-Rezept möglich

Nach Ansicht von Klaschik sollte bei einer Opioid-Therapie das Laxans von Anfang an mit verordnet werden und nicht erst dann, wenn eine Obstipation manifest geworden ist. Lediglich bei Tramadol, Buprenorphin und Tilidin, die weniger obstipierend wirkten, könne erst einmal abgewartet werden, so Klaschik. Das Macrogol könne als Komedikation laut Paragraph 8, Absatz 1 der Betäubungsmittel-Verschreibungsverordnung direkt mit auf das BtM-Rezept geschrieben werden.

Wenn schon vor Beginn einer Opioid-Therapie eine Obstipation besteht, sollte immer geklärt werden, ob eine gastrointestinale Obstruktion vorliegt, erinnerte Klaschik. Denn bei kompletter Obstruktion dürften keine Laxanzien gegeben werden.

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