Ärzte Zeitung, 11.10.2004

Duloxetin lindert Schmerzen und Depressionen

Nach neun Wochen Therapie hatten in einer Studie 44 Prozent der Patienten keine Depression mehr

DÜSSELDORF (nsi). Depressionen und Schmerzen gehören bei vielen Patienten zusammen. Etwa sechs von zehn depressiven Patienten klagen über Schmerzen, vor allem im Kopf-, Rücken- und Schulterbereich. Der selektive Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer Duloxetin bessert sowohl die Stimmung der Patienten als auch die Schmerzen.

Viele depressive Patienten haben auch Schmerzen. Oft bessert sich die Stimmung erst, wenn die Patienten weniger über Schmerzen klagen. Foto: DAK

Das Medikament sei bei mittelschweren und schweren Depressionen anwendbar, sagte Professor Heinrich Sauer von der Universitätsklinik Jena beim Neurologie-Kongreß in Düsseldorf. "Wenn ein Patient mit Schmerzen zum Hausarzt kommt, müssen immer zuerst organische Krankheiten abgeklärt werden", so der Psychiater bei einer von Lilly und Boehringer Ingelheim unterstützten Veranstaltung.

Gehen die Schmerzen zurück, bessert sich auch die Stimmung

Bei knapp der Hälfte der schmerzgeplagten depressiven Patienten ließen sich allerdings keine körperlichen Ursachen für die Schmerzen finden. Der Erfolg einer antidepressiven Therapie hänge wesentlich davon ab, ob auch Schmerzen zurückgingen, so Sauer.

Gute Remissionsraten nach neun Wochen mit Duloxetin

In mehreren klinischen Studien, habe eine neunwöchige Therapie mit Duloxetin bei 44 Prozent der Patienten mit Depression verglichen mit Placebo zu einer statistisch signifikanten Remission der Symptome geführt. Remissionen waren definiert als Reduktion der 17 Kriterien umfassenden Hamilton Depression Rating Scale auf einen Wert kleiner als sieben.

In den Placebo-Gruppen hätten im Durchschnitt 16 Prozent der Teilnehmer einen Wert unter sieben erreicht. Die Remissionsrate bei den Studienteilnehmern, die über Schmerzlinderungen während der Therapie berichteten, sei doppelt so hoch gewesen wie bei jenen, deren Schmerzen nicht zurückgingen, so der Experte.

Lilly und Boehringer Ingelheim rechnen mit einer Zulassung für Duloxetin für die Indikation mittelschwere bis schwere Depressionen in Europa Anfang 2005. Für die Therapie bei Belastungsharninkontinenz ist das Medikament in Europa schon als Yentreve® zugelassen.

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