Ärzte Zeitung, 09.11.2005

Nachholbedarf bei Schmerztherapie nach Op

Paneuropäische Befragung / Anästhesist: Modernes Schmerzmanagement wird in Kliniken noch zu wenig umgesetzt

BREMEN (ner). Eine paneuropäische Befragung von Ärzten zur postoperativen Schmerztherapie hat einen erheblichen Verbesserungsbedarf in vielen Kliniken offenbart. Weniger als 20 Prozent der deutschen Krankenhäuser setzen wenigstens einen Aspekt des modernen postoperativen Schmerzmanagements um, hieß es beim Deutschen Schmerzkongreß in Bremen.

Patientin nach Operation. Ein modernes Schmerzmanagement sollte auch bei ihr zum Standard gehören. Foto: PhotoDisc

Mehr als 1500 chirurgische Fachärzte sowie Anästhesisten waren in sieben europäischen Ländern, darunter Deutschland, in der PATHOS-Studie (postoperative Analgesie Therapy Observation Study) befragt worden. Darunter waren Allgemein- und Viszeralchirurgen, Orthopäden und Traumatologen, Gynäkologen und HNO-Ärzte.

Je nach Verantwortlichkeit für die Schmerztherapie wurde ein 30seitiger anonymer Fragebogen von den Anästhesisten oder Chirurgen einer Klinik ausgefüllt.

In Deutschland waren das 516 Fragebögen aus 248 Kliniken, sagte Privatdozent Gerhard Brodner aus Münster bei einem vom Unternehmen Bristol-Myers Squibb unterstützten Symposium.

Nach Angaben des Anästhesisten werden nur 16 Prozent der deutschen Krankenhäuser den vorab definierten Mindestanforderungen in der Weiterbildung der Ärzte und des Pflegepersonals gerecht. In 18 Prozent der Krankenhäuser stünden auf den Stationen schriftliche Protokolle zur Schmerztherapie aller operierten Patienten zur Verfügung.

Noch wird eine spezielle Weiterbildung selten gemacht.    
   

Für spezielle Patienten, bei denen zum Beispiel ein Katheterverfahren oder eine systemische Analgesie angewendet werden soll, haben knapp 60 Prozent solche Unterlagen. Diese würden allerdings in weniger als der Hälfte der Fälle immer angewendet, kritisierte Brodner.

In mehr als der Hälfte der Krankenhäuser erfolgt keinerlei Schmerzbewertung mit Hilfe eines Schemas. Nur ein Drittel mißt den postoperativen Schmerz mindestens einmal am Tag, neun Prozent drei- bis viermal täglich. Zudem definieren nur 20 Prozent der Häuser einen Schwellenwert, ab dem eine Bedarfsmedikation verabreicht wird.

Die noch nicht vollständig ausgewertete Studie ist nach Brodners Angaben repräsentativ für je 70 Prozent der Krankenhausbetten des jeweiligen Landes. Die PATHOS-Ergebnisse sollen Grundlage für das Fortbildungsprogramm SIMPATHI (Simple Postoperative Analgesic Therapy Improvement) des Unternehmens sein.

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