Schneckentoxin stoppt starken Schmerz

BERLIN (grue). Zur Behandlung von Patienten mit starken chronischen Schmerzen gibt es jetzt ein nicht-opioides Analgetikum, das in den Rückenmarks-Kanal appliziert wird. Es handelt sich um das synthetisch hergestellte Gift einer Meeresschnecke, das Kalziumkanäle blockiert und damit die Weiterleitung von Schmerzen verhindert.

Veröffentlicht:

Das Medikament mit dem Wirkstoff Ziconotid (Prialt®)  ist bei einer Veranstaltung des Unternehmens Eisai zum Schmerzkongreß in Berlin vorgestellt worden.

Das Präparat ist für Patienten mit starken chronischen Schmerzen zugelassen, die eine intrathekale Analgesie benötigen. Dafür wurden bisher Opioide verwendet. Nach Angaben von Professor Michael Zenz aus Bochum reicht das aber bei bis zu 20 Prozent der Patienten nicht aus. "Manche Patienten sprechen auf Opioide nicht an, andere vertragen sie nicht", so Zenz.

Mit Ziconotid gebe es nun nach mehr als 20 Jahren ein neuartiges Schmerzmittel für die kontinuierliche intrathekale Infusion. Das Schneckengift Conotoxin hemmt selektiv die spannungsabhängigen N-Typ-Kalziumkanäle im Hinterhorn des Rückenmarks.

Die Substanz wird als Dauerinfusion über eine Pumpe direkt in den Liquor appliziert. Die schmerzlindernde Wirkung setzt nach vier Tagen ein, danach wird das Medikament sehr langsam über bis zu sechs Monate aufdosiert.

 Linderung beginnt nach vier Tagen.    
   

Das therapeutische Fenster ist klein. Mögliche unerwünschte Wirkungen sind Schwindel, Übelkeit, Verwirrung und Nystagmus. Opioid-typische unerwünschte Wirkungen wie Atemdepression oder Obstipation gibt es bei Ziconotid nicht.

Unerwünschte Wirkungen können durch Dosisreduktion gemildert werden. Die Wirksamkeit wurde in kontrollierten Studien über bis zu drei Wochen geprüft, einzelne Patienten werden seit Jahren mit der Substanz behandelt.

"Dies ist eine besondere Substanz mit einem besonderen Wirkmechanimus, die für Patienten mit therapierefraktären starken Schmerzen eine wirkliche Hilfe sein kann", sagte Zenz. Dies betreffe in Deutschland etwa 100 000 Schmerzpatienten.

Mehr zum Thema

Kasuistik zu Autoimmunerkrankung

Wüssten Sie, was hinter diesen Symptomen steckt?

Kommentare
Sonderberichte zum Thema
Abb. 1: Daten zur lipidologischen Versorgung von Patientinnen und Patienten mit hohem kardiovaskulärem Risiko aus der VESALIUS-REAL-Studie

© Springer Medizin Verlag, modifiziert nach [7]

Kardiovaskuläre Prävention

Frühe Risikoidentifikation und konsequentes Lipidmanagement

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Amgen GmbH, München
Abb. 1: FIB-4 1,3: numerische 26%ige Risikoreduktion der 3-Punkt-MACE durch Semaglutid 2,4mg

© Springer Medizin Verlag GmbH, modifiziert nach [17]

Kardiovaskuläre, renale und hepatische Komorbiditäten

Therapie der Adipositas – mehr als Gewichtsabnahme

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: Novo Nordisk Pharma GmbH, Mainz
SCD-PROTECT-Studie-- Frühe Phase nach Diagnose einer Herzinsuffizienz – deutlich höheres Risiko für den plötzlichen Herztod als in der chronischen Phase.

© Zoll CMS

SCD-Schutz in früher HF-Phase

Sonderbericht | Mit freundlicher Unterstützung von: ZOLL CMS GmbH, Köln
Vorteile des Logins

Über unser kostenloses Login erhalten Ärzte und Ärztinnen sowie andere Mitarbeiter der Gesundheitsbranche Zugriff auf mehr Hintergründe, Interviews und Praxis-Tipps.

Haben Sie schon unsere Newsletter abonniert?

Von Diabetologie bis E-Health: Unsere praxisrelevanten Themen-Newsletter.

Jetzt neu jeden Montag: Der Newsletter „Allgemeinmedizin“ mit praxisnahen Berichten, Tipps und relevanten Neuigkeiten aus dem Spektrum der internistischen und hausärztlichen Medizin.

Top-Thema: Erhalten Sie besonders wichtige und praxisrelevante Beiträge und News direkt zugestellt!

Newsletter bestellen »

Top-Meldungen

Wechselwirkungen

Diese Medikamente sind bei Herzinsuffizienz riskant

Interview mit Physiotherapeutin

Bewegung bei Nackenschmerzen: Welcher Sport ist der richtige?

Atemwegserreger

RKI: RSV-Welle deutet sich an

Lesetipps
Diabetespatientin spritzt sich Insulin mit Insulinpen

© Goffkein / stock.adobe.com

Wenig bekannte Insulinkomplikation

Vorsicht bei Insulininjektionen: Nicht immer dieselbe Stelle nehmen

Eine ältere Frau klagt über Gelenk- und Muskelschmerzen in ihren Händen.

© Yakobchuk Olena / stock.adobe.com

Kasuistik zu Autoimmunerkrankung

Wüssten Sie, was hinter diesen Symptomen steckt?