Ärzte Zeitung, 24.11.2006

Schneckengift lindert starke chronische Schmerzen

Option, wenn alle anderen Therapien ausgeschöpft sind

BERLIN (grue). Für Patienten mit starken chronischen Schmerzen, denen herkömmliche Analgesien einschließlich intrathekaler Morphium-Infusionen nicht helfen, gibt es eine neue Option: ein Schneckengift, das selektiv auf neuronale Kalziumkanäle wirkt.

Der Wirkstoff Ziconotid (Prialt®) ist das synthetisch hergestellte Toxin einer Meeresschnecke (wir berichteten). Es blockiert spannungsabhängige N-Typ-Kalziumkanäle im Rückenmark. Als nicht-opioides Analgetikum kann es gegen starke chronische Schmerzen eingesetzt werden, wenn alle anderen Therapien ausgeschöpft sind. Der Wirkstoff wird intrathekal über eine Infusionspumpe appliziert und muß sehr langsam aufdosiert werden.

    Wirkung auf neuronale Kalziumkanäle.
   

Viele Erfahrungen mit dem neuen Medikament hat Dr. Ann Ver Donck vom Schmerzzentrum Brügge in Belgien. Die Ärztin stellte auf einer Veranstaltung von Eisai in Berlin die Ergebnisse von drei kontrollierten Studien mit Ziconotid vor. Fast 600 Patienten mit chronischen Therapie-refraktären Schmerzen nahmen teil. Mit dem neuen Schmerzmittel wurden bei bis zu 50 Prozent der Patienten die Schmerzen um mindestens 30 Prozent gelindert, so die Schmerztherapeutin.

An den Studien haben Patienten mit Schmerzen bei Knochenmetastasen, mit schweren Neuropathien und mit Schmerzen nach Rückenmarksverletzung teilgenommen. "Bei wem die Behandlung Erfolg hat, läßt sich nicht abschätzen". Vermutlich sprechen Patienten mit Schäden an der unteren Wirbelsäule am besten auf die lokale intrathekale Schmerztherapie an, so Ver Donck.

Die Substanz sollte aber nur von erfahrenen Schmerztherapeuten verwendet werden, weil das therapeutische Fenster klein ist. Bei Überdosierung können neurologische Symptome wie Verwirrtheit und Angst auftreten. Es komme aber nicht zur Atemdepression. "Bei gut auf Ziconotid eingestellten Patienten ist der analgetische Effekt erstaunlich stabil", sagte Ver Donck. Eine Toleranzentwicklung sei bisher nicht aufgetreten. "Die Substanz ist wirksam und sicher, einzelne Patienten werden damit schon seit mehreren Jahren erfolgreich behandelt."

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