Ärzte Zeitung, 05.12.2007

Schmerzen können wieder verlernt werden

Ziel: langfristige Linderung

BERLIN (hbr). Bei unzureichender Behandlung können Schmerzen, etwa durch Muskelverspannungen, chronisch zu werden - sie hinterlassen Spuren im Gehirn, ein "Schmerzgedächtnis" entsteht. Doch das ist beeinflussbar.

Denn das Schmerzgedächtnis ist zwar sehr stabil, aber nicht unangreifbar: "Wir haben zwar keine Löschtaste im Gehirn", sagt Professor Walter Zieglgänsberger vom Max-Planck- Institut für Psychiatrie in München. "Aber wir können das Schmerzgedächtnis durch Re-Learning überschreiben." Dazu müssen die Patienten aus positiven neuen Erfahrungen lernen.

Doch Schmerzgeplagte gehen solchen Lernsituationen oft aus dem Weg: Wen das Laufen schmerzt, der meidet es nach Möglichkeit. Der Schmerz muss also zuerst medikamentös ausgebremst werden. Die plötzliche Schmerzfreiheit in zuvor qualvollen Situationen kommt für die Patienten überraschend und prägt sich ihm ein, so Zieglgänsberger auf der Berliner Schmerztagung.

Häufige Wiederholungen dieser positiven Erfahrung liefern dann die Basis für nachhaltige Effekte: Mit der Zeit werden alte Erinnerungen und Erwartungen ("Diese Situation wird wehtun") durch neue ("Das wird nicht schmerzen") überschrieben. Das funktioniert natürlich nur, wenn die Patienten nicht wieder von Schmerzen überrascht werden. Sonst können sie zu Schmerz-Angst-Patienten werden, warnte Zieglgänsberger bei einer Veranstaltung von AWD und Dr. Kade. Medikamente müssen deshalb auch Schmerzspitzen zuverlässig abdecken. Außerdem plädiert er zur Therapie Präparate mit langer Wirkdauer: Die Patienten müssen dann nicht ständig an die Einnahme und damit an die Schmerzen denken.

Eine solch langfristige Linderung kann retardiertes Flupirtin (Trancolong®, Katadolon® S long) ermöglichen. Dabei liefern 300 mg verzögerter Wirkstoff die 24-Stunden-Wirkung und 100 mg eine Sofortwirkung. In einer Studie sank bei Patienten mit starken chronischen, myogenen Rückenschmerzen die Schmerzstärke mit dem retardierten Wirkstoff in zwei Wochen signifikant von sieben auf drei Punkte (elfstufige numerische Rangskala). Der Rückgang betrug schon in der ersten Woche 3,2 Punkte.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »